Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

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AlexanderG
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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von AlexanderG » Donnerstag 14. Mai 2015, 00:47

Also der Spruch "Wie man in den Wald rein ruft, so schallt es heraus." ist hier schon mal völlig fehl am Platz. Glaubt ihr, ich bin da ganz frech reingegangen und rief zu denen, sie sollen jetzt mal alle ihre Hintern in Bewegung setzen oder sowas in der Richtung? Ich war stets freundlich. Genauso wie es die vielen Leute auch vor mir in der Schlange waren. Ich hab in der langen Zeit des Schlangestehens doch mitbekommen wie an den anderen Schaltern mit den Leuten umgegangen wird, wird doch alles durch den Außenlautsprecher durchgegeben und den hört man auch noch in der nebenstehenden Schlange ganz gut.

Übrigens, ich war zwar noch nie in einer deutschen Botschaft in Moskau oder dem dt. Konsulat in Novosibirsk, aber wenn die Gebäudetechnik und -ausstattung der deutschen Auslandsvertretungen in Russland nicht aus Deutschland, sondern von Russland kommt (also lokal), würde es mich nicht allzu sehr wundern, wenn die deutschen Auslandsvertretungen einen - um es vorsichtig auszudrücken - leicht russischen Einschlag haben. ;-)

Aber generell, völlig egal ob deutsche oder russische Auslandsvertretungen - Auslandsvertretungen vertreten doch ihr Land. Es ist in gewisser Weise doch wie ein Ersteindruck, den ein Mensch vom jeweiligen Land bekommt. Da müsste doch jedes Land ein Interesse haben, seine Auslandsvertretungen in einem möglichst guten Licht stehen zu lassen, oder?



Magdeburg-Moskva
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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von Magdeburg-Moskva » Donnerstag 14. Mai 2015, 01:20

Also, das mit den Panzerglasscheiben und der Gegensprechanlage hast du vielerorts, in Russland auch in Banken oder auch bei einigen Kassen von Unternehmen. Wahrscheinlich ist das auch Vorschriften der Versicherung geschuldet, also, bei der Kasse.

Ich hatte übrigens das Vergnügen, mich privat mit den Leuten auf der anderen Seite des Tresens zu unterhalten. Unhöflichkeit darf nicht sein, aber arbeite du mal mit Menschen aller Couleur, Vorbildung und Unternehmen und teilweise mit Menschen, die dich anlügen und/oder anschreien, weil sie glauben, du würdest ihnen nicht helfen, obwohl es Deine Pflicht ist.

Ich möchte dich bitten, das nicht als Angriff gegen Dich zu sehen. Das kann und will ich mir nicht erlauben, ich kenne dich ja nur aus den zwei Postings.

Aber versuch bitte, dich in die Lage der anderen hineinzuversetzen.

Konsularischer Dienst ist kein Zuckerschlecken. 1 - 3 Jahre mal hier, unstetes Leben, mal dort und fast nur konsularische Dummbeutel-Routine, obwohl du mit deiner MGIMO-Bildung zu mehr fähig bist, als Passanträge anzunehmen und ins Journal zu schreiben.. OK, du bekommst ein für russische offizielle Lohnverhältnisse besseres Grundgehalt, aber Geld ist nicht alles.

Aber die Widrigkeiten des konsularischen Diensts rechtfertigt keine Unhöflichkeit oder die Verweigerung, seine Amtspflichten auszuüben.

Edit: Ich war vor langem in der russischen Visastelle in Berlin. Also, der Pässe zurückgebende Beamte war schon ein kleiner Machtspieler. Mir gegenüber jedoch nicht.

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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von inorcist » Donnerstag 14. Mai 2015, 01:47

Ich kann hier Magdeburg-Moskva nur recht geben. Der Job macht definitiv keinen Spass.

Einer meiner Freunde war drei Jahre lang im auswärtigen Dienst der USA tätig. Danach hatter er keine Lust mehr auf jährliches Umziehen und Visa-Anträge und meinte, dass er seinen Yale-Abschluss auch noch zu etwas anderem gebrauchen könne. Die 'einfacheren' Behörden-Aufgaben wie Pass- oder Visumsanträge werden auch oft von öffentlichen Angestellten erledigt, die für ihren Auslandseinsatz etwas besser bezahlt werden als zuhause aber damit nicht unbedingt grosse Sprünge machen können. Zumal der Partner oder die Familie in der Regel zuhause bleibt oder im Ausland zum Nichtstun verdammt ist. Das frustriert dann mit der Zeit auch. Leider.

Und gerade bei Visumsanträgen kriegt man noch ziemlich viel Unsinn zu hören - mal höflich ausgedrückt. Je besser man sich selbst vorbereitet umso höflicher wird man dann auch behandelt. Wie bei jeder anderen Behörde auch.

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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von bella_b33 » Donnerstag 14. Mai 2015, 01:49

AlexanderG hat geschrieben: Übrigens, ich war zwar noch nie in einer deutschen Botschaft in Moskau oder dem dt. Konsulat in Novosibirsk, aber wenn die Gebäudetechnik und -ausstattung der deutschen Auslandsvertretungen in Russland nicht aus Deutschland, sondern von Russland kommt (also lokal), würde es mich nicht allzu sehr wundern, wenn die deutschen Auslandsvertretungen einen - um es vorsichtig auszudrücken - leicht russischen Einschlag haben. ;-)
Nö,
entgegen einer Aussage hier im Fred, finde ich die Deutsche Botschaft in Moskau schon ganz nett von innen. Da ist nix uralt oder versifft....wirkt auch nicht nach "leicht russischem Einschlag" ;)
CSB_Wolf hat geschrieben: Die Botschaften sind überall so abgesichert, egal welches Land.
Nein....es gibt auch "normal". Als man mir mal die türkische Botschaft in Novorossisk zeigte...sieht jetzt nicht wirklich super sicher aus :D
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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von fugen » Donnerstag 14. Mai 2015, 04:00

bella_b33 hat geschrieben: Nö,
entgegen einer Aussage hier im Fred, finde ich die Deutsche Botschaft in Moskau schon ganz nett von innen. Da ist nix uralt oder versifft....wirkt auch nicht nach "leicht russischem Einschlag" ;)
Ich hoffe damit ist nicht meine Aussage gemeint :-)

In Moskau sieht es aus wie in Frankfurt, schlicht trocken mit Büromöbel :-D
In Bonn hast die die hässliche Presspappe, das macht es so schummrig, im untere Drittel.

Hast du gewusst, dass du kein Visum benötigst, weil du russischer Staatsbürger bist?



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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von Norbert » Donnerstag 14. Mai 2015, 08:37

Also grundsätzlich würde ich nicht sofort auf den Fragensteller einhacken. Auch ich habe leider ansatzweise solche Erfahrungen in Leipzig gemacht.

Es ging los am Eingang - Rucksack verboten, aber keinerlei Möglichkeit, diesen irgendwo zu hinterlegen. Ich kam aus Dresden mit dem Zug und hätte quasi den Rucksack am Bahnhof im Schließfach lassen müssen - wenn ich es gewusst hätte.

Ich habe mehrere Leute vor mir gesehen, die trotz freundlichem Verhaltens einfach nur angeblökt wurden. Einer wollte als Tourist nach Russland, hatte eine Hotelbuchung dabei und wurde total abgekanzelt: "Das gilt nicht. Auf Wiedersehen!" Keine Erklärung, nichts. (Klar, er wusste nichts von Touristenvoucher, etc. - aber einem potentiellen Gast des Landes sollte man doch wenigstens erklären, wie das Verfahren ist.) Auch ich bekam zu hören: "Die Fragen stelle hier ich!", nur weil ich irgendein Detail fragen wollte.

Bezahlen konnte man nur vorab per Überweisung - wobei aber die Visagebühr damals noch reine Willkür war und man vorher nie wusste, wie viel zu zahlen war - oder gegen eine Extragebühr per Karte am Nachbarschalter.


Mein Eindruck war also ebenso eher traurig - man war unfreundlich, und dies sogar insbesondere gegenüber den eigenen Landsleuten an den Nachbarschaltern, wo es um Pässe oder ähnliches ging. Das war zum Teil schäbig!


In den letzten Jahren stelle ich aber in Russland eine starke Wandlung der Behörden fest. Die Nowosibirsker Steuerbehörde, die Zentrale der Migrationsbehörde, selbst die Hauptpost ... alle frisch renoviert, Ticketsystem, offene Schalter und wirklich freundliche Mitarbeiter! Etwas schlechter sieht es noch in den Stadtteilen auf - da trifft man noch gelegentlich in verwinkelten engen Büros diese Drachen, die Gott spielen. Aber so ein Wandel kostet halt auch Zeit.


Das Nowosibirsker Generalkonsulat hat auch Panzerglas, ist aber modern und sehr freundlich. Leider sind die Regelungen und Anforderungen auch nicht immer logisch. Das liegt natürlich zu weiten Teilen an der Gesetzgebung, ich sage nur "Inländerdiskriminierung".

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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 14. Mai 2015, 09:53

Klar sollte man nicht sofort drauf loshacken, da hat Norbert Recht. Es kommt allerdings nicht nur darauf an, WAS jemand schreibt, sondern auch WIE. Aber na ja, wurscht.

Es gibt ja durchaus Gründe für dieses Verhalten russischer Beamter (im weiteren Sinne) Bittstellern (so werden sie ja empfunden) gegenüber. Das wurde in der Literatur auch immer wieder beschrieben. Gogol z.B. hat dieses Verhältnis zwischen Beamten und normalen Bürgern sehr anschaulich dargestellt. Dieses Prinzip zieht sich durch das gesamte Leben in Russland. Die Leute hier sind es gewöhnt, als Ausländer hat man sich mit vielem, zumindest im Alltag, wohl einfach abgefunden.

Gerade vor diesem Hintergrund sind solche Änderungen, wie Norbert sie anführt und die auch bei uns zu beobachten sind, mehr als erfreulich zu bezeichnen! Bei uns aber macht sich noch ein sehr deutliches Gefälle diesbezüglich zwischen Stadt (Wladimir) und Land (fängt fast gleich außerhalb der Stadtgrenzen an) bemerkbar. Hier, wo unser Betrieb ist, 40 km außerhalb, findest Du die "guten alten Zeiten", die Anlass zu diesem Thread waren, noch in Reinstkultur.
Jon Snow knew nothing - Now he knows everythig..... And the big battle is over

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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von Norbert » Donnerstag 14. Mai 2015, 10:18

Wladimir30 hat geschrieben:Klar sollte man nicht sofort drauf loshacken, da hat Norbert Recht. Es kommt allerdings nicht nur darauf an, WAS jemand schreibt, sondern auch WIE. Aber na ja, wurscht.
Ich glaube der AlexanderG war einfach etwas frustriert nach dem Erlebnis und musste es sich von der Seele schreiben. ;) Kommt bei mir auch vor.

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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von louise » Donnerstag 14. Mai 2015, 11:22

Visagebühren vorher bezahlen,
kein Gepäck (muss am Bahnhof gelassen werden),
kein Handy,
Taschen durchsucht,
Wartezeit kann lang sein,
Panzerglas,
ein Mitarbeiter ist freundlich, ein anderer ein Drachen.

All das ist identisch bei USamerikanischen Botschaften....

....ist halt so!
"[n]o set of mutually inconsistent observations can exist for which some human intellect cannot conceive a coherent explanation, however complicated."

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Re: Eindrücke beim Generalkonsulat Bonn

Beitrag von zimdriver » Donnerstag 14. Mai 2015, 16:51

... wenn ich mich recht erinnere, ist das deutsche Konsulat am Leninskiy Pr auch nicht gerade im Stil eines Wiener Kaffehauses gehalten, die Wachleute sprühen nicht vor überschwenglicher Freude, die Ortskräfte waren teilweise auch sehr besonderer Natur, früher, vor deren drastischer Reduzierung.
Noch besser als jenes beschriebene russische Konsulat ist jedoch eine russische Polizei-/ FMS-/ Post-/ Führerscheinstelle oder ähnliche Behörde auf russischem Boden. "Russengrüne" Ölfarbe, Sprelacart- Möbel, Installationsorgien von Netzwerk- und Elektrokabeln und das bürgerbetonte Auftreten der Beamten machen immer wieder viel Freude.
Also, Augen zu und durch. Mit den paar Euro Konsulargebühren kann man keine moderne Einrichtung erwarten ...



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