Akzent verringern in Deutschen?

Nachhilfeunterricht und Sprachkurse sind in dieser Rubrik zu finden. Hier können auch Eigenarten im Russischen und Deutschen diskutiert werden. Wer Hilfe beim Übersetzen braucht, sollte in diesem Unterforum eine Anfrage stellen.

Moderator: Wladimir30

ZaynaS
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Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von ZaynaS » Donnerstag 18. Juni 2015, 14:21

Hallo,
mein Mann ist russischer Muttersprachler, hat jedoch trotz 15 Jahren in Deutschland noch ein hörbaren Akzent. Ich höre es schon gar nicht mehr heraus und mache dank ihm auch Artikel wieder falsch im Deutschen (das ist aber auch ein willkürlicher Grammatikaspekt, tz) :lol: Aber ihn stört es sehr, auch wenn er wegen dem rollenden R öfters "nur" für einen Bayern gehalten wird. Ich weiß leider nicht, wie ich meinen eigenen Akzent losgeworden bin, es war automatisch, also kann ich ihm da nicht helfen. Habt ihr Tipps, gibt es Webseiten mit Sprachübungen o.ä. dafür?



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Wladimir30
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 18. Juni 2015, 14:42

Hallo, Du Arme, ich versteh Dich da sehr gut. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Ich fürchte, es wird nix werden. Ich kenne nur sehr wenig Leute, die eine Fremdsprache nicht schon von Kindesbeinen an (bis ca. 6 Jahren), sondern später gelernt haben und dann akzentfrei sprechen. Der Sprechapparat ist dann schon zu sehr geprägt. Es wird vermutlich nicht nur das rollende R sein, sondern z.B. auch die palatalisierten (die meisten sagen weichen) Konsonanten. Er wird vermutlich "djie" sagen statt "die". Dier Satzmelodie ist anders (z.B. werden Fragesätze im Russischen anders intoniert als im Deutschen). Und und und.

Die größere Hürde sprichts Du schon selber an: die Grammatik. Den Artikel werden slawische Muttersprachler nie richtig hinbekommen, so wie wir Deutschen im Russischen nie den Aspekt der Verben oder die Verben der Bewegung richtig machen werden. Wir können uns nur annähern.

Ich kenne viele Spätaussiedler in Deutschland, die ebenfalls damit hadern, die auch nach vielen Jahren harter und ehrlicher Bemühungen frustriert sind, dass sie immer noch mit einem Akzent sprechen. Wenn Dein Mann kein ausgeprägtes und trainiertes musikalisches Gehör hat und es nicht gelernt hat, seine Stimme bewußt zu modulieren (z.B. bei einer Gesangsausbildung), dann sehe ich da ehrlich gesagt dunkelgrau bis schwarz.

Er kann es auch anders sehen. Jeder Mensch hat seine ganz individuelle Sprechweise, resultierend aus Herkunft, Erziehung, Umfeld etc. Das betrifft sowohl die Lexik als auch die Grammatik. Und eben auch die Aussprache. Er ist ein Individuum mit einer ganz eigenen Geschichte. Die spiegelt sich u.a. auch in seiner Aussprache wider.
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von inorcist » Donnerstag 18. Juni 2015, 14:57

Ganz so pessimistisch wie Wladimir bin ich jetzt nicht. Google mal nach "Sprachtraining Hochdeutsch" und schau, ob da was dabei ist für dich.

Ich hab selbst mal an einem Training für akzentfreies Englisch teilgenommen und fand den Kurs wirklich sehr gut. Es setzt aber Arbeit und Willen voraus.

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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Alex KA » Donnerstag 18. Juni 2015, 16:09

Dafür braucht man einen Logopäden, natürlich wenn die Grammatik schon begriffen ist.. Ich hatte einen Logopäden als Kind gebraucht um die schon genannte russische R richtig auszusprechen.. Dafür macht man lange zeit Übungen und trainiert bestimmte Muskeln in Mund.
Ich denke ich hatte Probleme weil mein Mund zu klein ist und Zunge zu kurz, deswegen vibriert nicht so leicht wie bei anderen, ich muss mich wirklich konzentrieren :lol:
Zuletzt geändert von Alex KA am Donnerstag 18. Juni 2015, 16:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von bella_b33 » Donnerstag 18. Juni 2015, 16:14

Alex KA hat geschrieben:Ich hatte einen Logopäden als Kind gebraucht um die schon genannte russische R richtig auszusprechen.
Ah, verstehe. Nachbars Tochter ist da wohl auch im Training, soweit ich gehört hab. Die spricht bisher immernoch "Spocht" anstart "Sport"

Gruß
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 18. Juni 2015, 16:34

bella_b33 hat geschrieben: Die spricht bisher immernoch "Spocht" anstart "Sport"
Haeh?
Das wird doch so und so "Spoat" ausgesprochen....
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 18. Juni 2015, 17:22

Dietrich hat geschrieben:
bella_b33 hat geschrieben: Die spricht bisher immernoch "Spocht" anstart "Sport"
Haeh?
Das wird doch so und so "Spoat" ausgesprochen....
Kommt darauf an, welches R du aussprechen willst. Wenn man das R hinten rollt (kann nicht jeder so ohne Übung) und nicht mit der Zungenspitze (wie im Russischen oder auch die Bayern), dann sind /r/ und /ch/ ganz nah beieinander. DEshalb kann das gut sein.
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 18. Juni 2015, 17:28

Wladimir30 hat geschrieben:Kommt darauf an, welches R du aussprechen willst. Wenn man das R hinten rollt (kann nicht jeder so ohne Übung) und nicht mit der Zungenspitze (wie im Russischen oder auch die Bayern), dann sind /r/ und /ch/ ganz nah beieinander. DEshalb kann das gut sein.
Hatte ich wohl den Smilie vergessen....
Beim "r" bin ich (obwohl Nicht-Russe) sogar in der Lage, das Ding ordentlich rollen zu lassen. Sogar im Gegensatz zu meiner Frau seltsamerweise.
Mit dem "a" in "Schpoaht" ist eher eine regionale Sache und hat mit der hochdeutschen Ausspruchweise nix zu tun. Im Gegenteil...

Aber um wirklich den Akzent zu verringern hilft wohl tatsächlich nur ein Logopäde und sehr sehr viel Training. Wie hoch selbst dann die Erfolgsaussichten sind... keine Ahnung. Wahrscheinlich schafft es auch mit viel Übung nicht jeder...
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 18. Juni 2015, 17:34

Dietrich hat geschrieben: Beim "r" bin ich (obwohl Nicht-Russe) sogar in der Lage, das Ding ordentlich rollen zu lassen.
Rollst Du das R vorne mit der Zungespitze oder hinten am Gaumen? Oder kannst Du beides? Ist ne echte Frage.
Mit dem "a" in "Schpoaht" ist eher eine regionale Sache und hat mit der hochdeutschen Ausspruchweise nix zu tun.

Doch, ist sogar Norm in der Hochsprache. Es sagt ja keiner /spoRt/, außer um es extra zu betonen.

Besser ist es übrigens nicht von Hochsprache sprechen, denn das beinhaltet eine Wertung (hoch = gut, richtig), und damit wären Dialekte (Sächsisch z.B.) ja schlecht. Ich glaube, das gäbe einen echten Aufstand hier im Forum.... Besser wäre es von Standardsprache zu sprechen.
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Re: Akzent verringern in Deutschen?

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 18. Juni 2015, 18:43

Wladimir30 hat geschrieben:
Dietrich hat geschrieben: Beim "r" bin ich (obwohl Nicht-Russe) sogar in der Lage, das Ding ordentlich rollen zu lassen.
Rollst Du das R vorne mit der Zungespitze oder hinten am Gaumen? Oder kannst Du beides? Ist ne echte Frage.
Also normal spreche ich "hinten am Gaumen" (also eher wie "spocht" mit einem mehr gequetschten "r" - weiß nicht ob man das wirklich rollen nennen kann).
Ich kann es aber auch mit der Zungenspitze .... :lol:
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