Philosophische Bewertung der Bewertung der (Nach)kriegsjahre

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Wladimir30
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Philosophische Bewertung der Bewertung der (Nach)kriegsjahre

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 16. April 2021, 17:40

Abtrennung aus: viewtopic.php?f=28&t=20926, Norbert, Vize-Admin

Ich find das immer wieder erstaunlich solche Geschichten zu hören, wie die (Nach-) Kriegsjahre Leute hin- und hergeworfen haben, so dass alle möglichen Prüfungen im Nachhinein zumindest sehr erschwert sind. Wie vergleichsweise langweilig sind da so die Lebenswege der meisten, die irgendwie ab 1950, spätestens 1960 geboren wurden.
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Axel
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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von Axel » Freitag 16. April 2021, 20:02

Wladimir30 hat geschrieben:
Freitag 16. April 2021, 17:40
Wie vergleichsweise langweilig sind da so die Lebenswege der meisten, die irgendwie ab 1950, spätestens 1960 geboren wurden.
Denke ich mir auch, wenn ich mich an die Erzählungen meines Großvaters ( *1934 - † 2015 ) erinnere. Wobei ich auf solche "langweiligen" Lebenswege gerne verzichten kann. Mit 7 wurde er aus Charkow gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Kasachstan im Viehwagon deportiert, als Hitlerdeutschland die Sowjetunion angriff. War auch das letzte Mal, dass er seinen Vater sah. Seinen Erinnerungen zufolge kamen zwei freundlich wirkende sowjetische Soldaten auf ihren Hof und hätten mit seiner Mutter besprochen, der Vater müsse mal kurz mitkommen und "was wichtiges unterschreiben". Danach haben sie ihn nie mehr gesehen. Mein Opa hat bis zuletzt immer geglaubt, er sei am Leben. 1996 bekamen wir dann ein amtliches russisches Dokument, dass bestätigte, dass er unweit der Scheune ermordet wurde. Die BRD zahlte uns 10.000 DM "Entschädigung". Bei vielen anderen Russlanddeutschen waren solche Säuberungen ähnlich. Finde an der Stelle auch gut, dass Deutschland so vorzeigehaft seine Verbrechen aufgearbeitet hat, da können Russland und Japan noch viel lernen. Mir kommt die Galle hoch, wenn ich als Geschädigter schon höre wie manche Russen Stalin als Helden verehren, pfui deibel :oops:

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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von saransk » Samstag 17. April 2021, 11:26

Axel hat geschrieben:
Freitag 16. April 2021, 20:02
[Finde an der Stelle auch gut, dass Deutschland so vorzeigehaft seine Verbrechen aufgearbeitet hat, da können Russland und Japan noch viel lernen. Mir kommt die Galle hoch, wenn ich als Geschädigter schon höre wie manche Russen Stalin als Helden verehren, pfui deibel :oops:
Tja, wer keine Zukunft hat, klammert sich halt an die "Helden" der Vergangenheit

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Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von Tonicek » Samstag 17. April 2021, 14:32

Axel hat geschrieben: . . . Mir kommt die Galle hoch, wenn ich als Geschädigter schon höre wie manche Russen Stalin als Helden verehren, pfui deibel :oops:
Das habe ich auch nie verstanden, und erst recht nicht, als ich in Stalin's Geburtsort Gori war - da wird er regelrecht verehrt - wie kann das sein?

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Daß ich mir eingehend das Museum anschaute und auch den Waggon, mit dem Stalin nach Potsdam zur Konferenz fuhr, war für mich selbstverständlich. Solche Gelegenheiten hat man selten.

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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von willi » Samstag 17. April 2021, 19:10

Hab mehr als ein Dutzend Bücher über den grossen Terror gelesen, da ist der Stalinkult heute in keinster Weise nachvollziehbar.Was mich allerdings überrascht hat, war, dass viele der Betroffenen Stalin noch während ihrer Lagerzeit verehrten und erst nach seinem Tod mit der allgemeinen Aufarbeitung der Ära ihre Meinung änderten



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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von Wladimir30 » Sonntag 18. April 2021, 05:52

Wenn es uns nicht verständlich ist, wenn Russen heute noch Stalin verehren, zeugt es meines Erachtens unter anderem davon, dass wir mit deutschen Wertevorstellungen versuchen, das Verhalten von Russen zu verstehen. Ein Ansatz, der selten zum Ziel führt.
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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von m1009 » Sonntag 18. April 2021, 08:03

Wladimir30 hat geschrieben:
Sonntag 18. April 2021, 05:52
dass wir mit deutschen Wertevorstellungen versuchen, das Verhalten von Russen zu verstehen. Ein Ansatz, der selten zum Ziel führt.
Geht es denn nicht genau darum? Dem Russen verstaendlich zu machen, das es nur den einen, richtigen Weg gibt? Naehmlich, den Deutschen?
Wir/SIe sind doch schliesslich wieder WER!

Und machen WIR/SIE es denn nicht schon im Kleinen? Dem Russen das Glueck bringen? Die Bekannte aus dem Tuerkeiurlaub (eigentlich wollte ich Urlaubsfick schreiben, aber das schien mir dann doch zu vulgaer) aus Russland "rausholen", inklusive 1 Kind (maximal, man will es ja nicht uebertreiben und muss die KOSTEN im Auge behalten).
Und sich dann wundert, das die neue Frau nach einiger Zeit immer unzufriedener wird. Undankbar. Was sonst.
Versteht sie denn nicht, wie gut es ihr nun in Deutschland geht? Muelltrennung und Gelber Sack sei Dank!

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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von paramecium » Sonntag 18. April 2021, 11:32

Wladimir30 hat geschrieben:
Sonntag 18. April 2021, 05:52
Wenn es uns nicht verständlich ist, wenn Russen heute noch Stalin verehren, zeugt es meines Erachtens unter anderem davon, dass wir mit deutschen Wertevorstellungen versuchen, das Verhalten von Russen zu verstehen. Ein Ansatz, der selten zum Ziel führt.
Verstehe ich nicht. Würde das nicht bedeuten, dass die Russen bezüglich der Millionen Toten des Golodomor, der Massendeportationen, der Gulags und schließlich vielen Toten des Großen Terror andere Wertvorstellungen haben als wir?
Das glaube ich nicht, schließlich waren die Umfragewerte bezüglich Stalin vor 20-30 Jahren noch viel schlechter. Ich denke eher, dass so langsam die Generation, die von Stalin noch direkt negativ betroffen war, sowie die ihr folgende Generation wegsterben. Es können also nur noch wenige aus persönlichen Erfahrungen berichten. Im Geschichtsunterricht meiner Frau wurde das Thema nur kurz erwähnt. In ihrem Schul-Geschichtsbuch steht dazu fast nichts. Russische Dokus gibt es zu dem Thema, sie laufen aber selten. Was bleibt sind die glorifizierten Geschichten vom Großen Vaterländischen Krieg, mit denen man im russischen Fernsehen bombardiert wird. Die Zeit davor ist dann für manche Stalin-Sympathisanten halt ein "notwendiges Übel" oder zweitrangig, wobei ich mir fast nicht vorstellen kann, dass diese Personen sich sehr intensiv mit dem Großen Terror befasst haben.

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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von Norbert » Sonntag 18. April 2021, 13:27

Ich muss ehrlich sagen, dass ich es gut finde, dass wir in Deutschland in der Schule lernen, dass die 1930er und 1940er Jahre in Deutschland eher eine blöde Idee waren. Und nicht sagen: "Aber dafür haben wir in der Zeit die Autobahn erfunden, dass war es das wert!"

Man kann ein Land auch groß machen, ohne dass man dafür über Leichenberge gehen muss. Deutschland hat dies nach dem Krieg sehr eindrucksvoll gezeigt und darauf verweise ich immer wieder gern, wenn jemand Stalin verherrlicht, nur weil er Russland industrialisiert hat.

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Re: Ru und westliche Zahlungssysteme

Beitrag von Wladimir30 » Sonntag 18. April 2021, 13:52

Na, also, mal unabhängig von der Diskussion über Stalin kann man Deutschland und Russland und deren Wege zur Industrialisierung (um es mal sehr salopp zu formulieren) wohl kaum miteinander vergleichen. Geografisch, klimatisch, Bevölkerungsstruktur, um nur mal die oberflächlich sichtbaren Dinge zu nennen.
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