Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

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Wladimir30
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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 5. November 2020, 15:30

Dafür gibt es dann den "Ersten Kanal", der mit messerscharfen Analysen belegt, dass alles perfide Meinungsmache und westgesteuerte Propaganda ist.
Jon Snow knew nothing - Now he knows everythig..... And the big battle is over



kamensky
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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von kamensky » Donnerstag 5. November 2020, 15:34

Wladimir30 hat geschrieben:
Donnerstag 5. November 2020, 15:30
Dafür gibt es dann den "Ersten Kanal", der mit messerscharfen Analysen belegt, dass alles perfide Meinungsmache und westgesteuerte Propaganda ist.
Genau, weil der Praesident nach uraltem Prinzip, das "schlechte ja nicht wollte "! :lol: :lol: :lol:
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Axel
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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von Axel » Donnerstag 5. November 2020, 17:52

Wladimir30 hat geschrieben:
Donnerstag 5. November 2020, 15:30
Dafür gibt es dann den "Ersten Kanal"
Ohh, der "pervyj kanal", der unter Russen auch als "зомби ящик" und "киселев тв" verschrien ist.
Na wenn dieser Kremlsender das so sagt, muss es natürlich stimmen ;)

Was den Impfstoff betrifft sehe ich das so ähnlich wie mein Vorposter.
Russland ist unter Putin innenpolitisch schon lange in sämtlichen Bereichen auf dem Abstellgleis und dazu zählt vor allem der medizinische Bereich den Putin unter seinen 20 Jahren maßgeblich selbst missgewirtschaftet bis zum geht nicht mehr hat (Außenpolitik ist Herrn Wladimir Wladimirowitsch wie Kim Jong-un eben wichtiger !)
Dazu passen auch die russischen Hackangriffe auf westliche Forschungsinstitute kurz nach Putins Erklärung zum russischen Impfstoff.
Schon merkwürdig, wozu man das nötig hat, wenn man doch mit der Entwicklung zuhause angeblich nahezu fertig und dem Westen voraus ist ;) ?
https://www.dw.com/de/london-russische- ... a-54204019

Aber ich sag mal so: Wenn man alt, schizophren und in 20 Jahren innenpolitisch nichts erreicht hat, scheut man irgendwann keine Skrupel mehr für seine egoistischen Interessen. Das gleiche gilt sowohl für Putin als auch für seinen schnauzbärtigen Amtskollegen im Nachbarland, der sich mit einem Sturmgewehr und einer Schutzweste ablichten lässt und seine Milizen auf Durchhalteparoli gegen das Volk einschwört.
Norbert hat geschrieben:
Donnerstag 5. November 2020, 13:13
Russland erzählt von einer Zulassung im August, kann es aber selbst Monate später noch nicht im industriellen Maßstab herstellen? Was wurde dann überhaupt zugelassen?
Da wird auch nichts mehr kommen, weil in Putins Reich ohne westliches Know-How nichts geht und alle wie immer nur dumme PR war ! Bester Beweis sind die russischen Spähangriffe auf westliche Forschungsinstitute, die nicht erfolgreich waren. Am Ende werden die Russen geimpft werden, aber mit einem Impfstoff aus Deutschland oder anderen westlichen Ländern und für die derzeit angeblich 2 Millionen produzierten russischen Impfstoffe wird sich Putin eine neue Ausrede ausdenken a la sie sind spurlos verschwunden oder sein Labrador hat sie gefressen.

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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von Mario-NBG » Donnerstag 5. November 2020, 18:20

Also meine Verlobte erzählte mir gestern, dass ein Guter Bekannter ihres Vaters sich mit Corona Infiziert habe, und er nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden kann, weil sie angeblich voll sind! Das ist in der Region Tambov! Ich hoffe nur das in Ihrer Familie alle Gesund bleiben :roll:
Es ist zum Kotzen das man im Moment 0 Chancen hat zu ihr zukommen! [frust]

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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von paramecium » Donnerstag 5. November 2020, 21:07

Axel hat geschrieben:
Donnerstag 5. November 2020, 17:52
Norbert hat geschrieben:
Donnerstag 5. November 2020, 13:13
Russland erzählt von einer Zulassung im August, kann es aber selbst Monate später noch nicht im industriellen Maßstab herstellen? Was wurde dann überhaupt zugelassen?
Da wird auch nichts mehr kommen, weil in Putins Reich ohne westliches Know-How nichts geht und alle wie immer nur dumme PR war ! Bester Beweis sind die russischen Spähangriffe auf westliche Forschungsinstitute, die nicht erfolgreich waren. Am Ende werden die Russen geimpft werden, aber mit einem Impfstoff aus Deutschland oder anderen westlichen Ländern und für die derzeit angeblich 2 Millionen produzierten russischen Impfstoffe wird sich Putin eine neue Ausrede ausdenken a la sie sind spurlos verschwunden oder sein Labrador hat sie gefressen.
Das die Zulassung ein PR-Coup war hatten wir vor wenigen Monaten schon diskutiert, wenn auch damals mit dem Fokus Wirksamkeit und Sicherheit. Die Produktion ist natürlich ein weiterer wichtiger Faktor. Ich vermute, dass die Forscher im Gamaleja-Institut keine Erfahrung mit industrieller Großproduktion haben. In Russland gibt es dieses Know-How aktuell nicht. Die Adenoviren für den Vektorimpfstoff müssen in Zellkultur-Reaktoren kultiviert werden. Das ist im Großmaßstab absolut nicht trivial und so eine Prozessentwicklung benötigt üblicherweise sehr viel Zeit. Beispielweise ist der Sauerstoffeintrag bei so großen Volumen viel schwerer zu realisieren ohne Zellen durch Rührer oder Scherkräfte zu zerstören. Im Großmaßstab lysieren (= aufbrechen) die humanen Zellen generell auch schneller und Protein- und Nukleinsäuren-abbauende Enzyme werden freigesetzt und zerstören die Viren. Aggregationen von Viren sind auch ein Problem.
Ich fühle da tatsächlich ein bisschen mit und möchte aktuell nicht mit den Forschern tauschen. Der Druck und das Unverständnis von staatlicher Seite wird sicher groß sein. Ich glaube allerdings schon, dass die Russen den Impfstoff letztendlich produziert bekommen.
Zuletzt geändert von paramecium am Donnerstag 5. November 2020, 22:47, insgesamt 1-mal geändert.



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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von kamensky » Donnerstag 5. November 2020, 21:43

@ paramecium

Vielen Dank fuer deine sehr gute, umfangreiche und ausfuehrliche Erklaerung betreffend Herstellung einer Vaksine in Grossproduktion. [Danke]
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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von Axel » Mittwoch 11. November 2020, 21:14

Die nächste PR-Nachricht aus Russland !

Nur zwei Tage nach dem Corona-Impfstofferfolg der Pharmafirma BioNTech hat Russland Daten für seinen Impfstoff “Sputnik V” vorgelegt.
Dieser zeigt angeblich eine 92-prozentige Wirksamkeit beim Schutz vor Covid-19 und somit eine höhere Wirksamkeit als der deutsche Impfstoff.

https://de.reuters.com/article/virus-ru ... EKBN27R19F

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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von kamensky » Mittwoch 11. November 2020, 21:58

Doch sind in der Altai-Region trotz Impfung mit "Sputnik V " 3 Aerzte an Corona erkrankt,

https://news.mail.ru/society/44109878/?frommail=1

Ausrede, oder Entschuldigung vom Gesundheitsminiserium " Mangelnde Zeit um Immunitaet zu bilden " !
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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von Berlino10 » Donnerstag 12. November 2020, 00:59

Wie kommen Pfizer und BioNTech eigentlich auf die Aussage, ihr Impfstoffkandidat würde 90% Schutz bieten? Bei näherer Betrachtung der Zahlen stellen sich diese 90% als statistisch nicht sonderlich belastbar dar. An der kombinierten Phase2/3-Studie dieses Projekts nehmen insgesamt rund 43.500 Probanden teil – ein Großteil davon in den USA. Die Hälfte der Probanden erhält den Impfstoff, die andere Hälfte ein Placebo. Es handelt sich um eine Doppelblindstudie, bei der weder die Probanden noch die betreuenden Ärzte wissen, wer den Impfstoff und wer das Placebo erhält. Nach Studiendesign gilt der Impfstoff dann als wirksam, wenn eine bestimmte Zahl von Probanden an Covid-19 „erkrankt“ ist und die Zahl der Erkrankten in der Placebo-Gruppe um 50% höher ist als die Zahl der Erkrankten, die den Impfstoff erhalten haben. Diese 50% sind übrigens die Zielvorgabe der WHO und entsprechen der Schutzwirkung der jährlichen Grippe-Impfung. Von einem vollständigen Schutz geht also ohnehin niemand aus.

Ursprünglich wollte Pfizer den besagten Zwischenbericht bereits nach 32 erkrankten Patienten veröffentlichen und bei einer Schutzquote von mehr als 50% in den USA und später in der EU eine Notfallzulassung beantragen. Diesem allzu kühnen Plan machte die US-Zulassungsbehörde FDA jedoch einen Strich durch die Rechnung. Für Pfizer bedeutete dies aufgrund der hohen Infektionszahlen in den USA jedoch nur einen kleinen zeitlichen Aufschub. Nun habe man 94 Corona-Fälle unter den Probanden protokolliert und dies reiche als Wirksamkeitsnachweis aus. Zwar liefert Pfizer keinen konkreten Zahlen, aber bei 90% Wirksamkeit muss man davon ausgehen, dass rechnerisch rund 86 erkrankte Probanden der Placebo-Gruppe angehören und nur höchstens acht erkrankte Probanden den Impfstoff erhalten haben. Nun muss man kein Statistiker sein, um diese „magischen“ 90% mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. 94 von 43.500 Probanden – das sind gerade einmal etwas mehr als zwei Promille; eine sehr kleine Stichprobe aus der Grundgesamtheit, die eine genaue Angabe des Wirksamkeitsgrads sicher nicht zulässt. Dennoch sind diese Zahlen – sofern sie denn auch korrekt sind – ein Hinweis darauf, dass der Impfstoff höchstwahrscheinlich eine Schutzwirkung hat. Doch wie genau und bei wem er wirkt, ist vollkommen unbekannt.

Was beim russischen Impfstoffprojekt von unseren Medien scharf kritisiert wurde, wird bei beim deutsch-amerikanischen Impfstoffprojekt lieber erst gar nicht hinterfragt. Das ist fahrlässig, denn ohne diese Daten ist eine Bewertung schwer möglich. Wirkt der Impfstoff bei Angehörigen der Risikogruppe? Wirkt er bei Kindern? Und vor allem: Wie wirkt er? Verhindert er schwere Krankheitsverläufe? Verhindert er asymptomatische Verläufe? Letzteres ist gekoppelt an die sehr wichtige Frage, ob der Impfstoff „nur“ eine Erkrankung oder auch eine Infektion verhindert. Versuche an Primaten haben bei anderen Impfstoffkandidaten ergeben, dass sie bzw. die mit ihrer Hilfe vom Körper gebildeten Antikörper nur in den unteren, aber nicht in den oberen Atemwegen das Virus wirkungsvoll bekämpfen. Damit werden zwar schwere Krankheitsverläufe verhindert, die Geimpften bleiben jedoch infektiös und können andere Menschen anstecken. Wenn nun bereits Mitarbeiter des Gesundheitssystems als erste Personengruppe genannt werden, denen der Impfstoff verabreicht wird, ist diese feine Unterscheidung elementar – geht es bei ihnen ja – man mag das zynisch nennen – weniger um den Eigenschutz, als mehr darum, dass sie selbst keine Patienten anstecken sollen. Wenn der Impfstoff nun aber nur vor Erkrankung, aber nicht vor einer Infektion schützt, wäre dies nicht gegeben.
...
https://www.nachdenkseiten.de/?p=66762& ... xmxovpZ8QA

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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Beitrag von paramecium » Donnerstag 12. November 2020, 02:23

Berlino10 hat geschrieben:
Donnerstag 12. November 2020, 00:59
Wie kommen Pfizer und BioNTech eigentlich auf die Aussage, ihr Impfstoffkandidat würde 90% Schutz bieten?
...
https://www.nachdenkseiten.de/?p=66762& ... xmxovpZ8QA
Ähm die Unternehmen sprachen davon, dass es eine 90%-ige Effektivität in der "first interim efficacy analysis" zeigte. Zudem erläuterten sie "The case split between vaccinated individuals and those who received the placebo indicates a vaccine efficacy rate above 90%, at 7 days after the second dose." Die finale Auswertung der 3. klinischen Phase erfolgt bei 164 positiven Fällen. Damit kann man schon Statistik machen. Am Ende kommt dann ein entsprechendes Konfidenzintervall auf die Prozentzahl. Nach der Markteinführung kann diese Zahl (auch aufgeschlüsselt nach Bevölkerungs-/Risikogruppen) präzisiert werden.
Berlino10 hat geschrieben:
Donnerstag 12. November 2020, 00:59
Doch wie genau und bei wem er wirkt, ist vollkommen unbekannt.

Was beim russischen Impfstoffprojekt von unseren Medien scharf kritisiert wurde, wird bei beim deutsch-amerikanischen Impfstoffprojekt lieber erst gar nicht hinterfragt. Das ist fahrlässig, denn ohne diese Daten ist eine Bewertung schwer möglich
....
https://www.nachdenkseiten.de/?p=66762& ... xmxovpZ8QA
Das ist eine Strohmann-Argumentation. Der russische Impfstoff ist zugelassen, BNT162 hingegen noch nicht und absolviert aktuell die 3. klinische Phase. Die Daten aus der 1. und 2. klinischen Phase sind absolut transparent publiziert (siehe z.B. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32785213/ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33053279/). Auch die 3. Phase wird publiziert werden und viele offenen Fragen klären. Einige Fragen zur Wirksamkeit werden erst nach der Markteinführung geklärt werden können. Das ist bei allen neuen Impfstoffen der Fall.



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