eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Hier kann alles diskutiert werden, dass in die anderen Unterforen nicht passt. Aber bitte keine politische Diskussion anzetteln, dafür ist das Politikforum da.

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Jenenser
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eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von Jenenser » Montag 17. Dezember 2018, 18:24

In RU und in UA kenne ich nur wenige, die sich mit mir zum Thema Glauben ausführlich unterhalten können oder wollen. Dabei möchte ich nur mein Allgemeinwissen aufbessern.
Bei SPON habe ich nun diesen Titel gefunden.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/k ... 43941.html
Sind die Vorgänge richtig dargestellt? Wie denken eigentlich die Gläubigen darüber? Welche Folgen könnten eintreten?



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Re: eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von m5bere2 » Montag 17. Dezember 2018, 18:29

Ich glaube, das muss ins Politik-Forum. Vielleicht brauchen wir aber auch ein Extraforum für Religion. :lol:
Jenenser hat geschrieben: In RU und in UA kenne ich nur wenige, die sich mit mir zum Thema Glauben ausführlich unterhalten können oder wollen.
Ich bin da auch vorsichtig und unterhalte mich darüber erst, wenn ich sicher bin, dass keiner dabei ist, der mich wegen оскорбление чувств верующих einbuchten will. :lol:

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Re: eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von Bluewolf » Montag 17. Dezember 2018, 20:38

Sind die Vorgänge richtig dargestellt? Wie denken eigentlich die Gläubigen darüber? Welche Folgen könnten eintreten?
Ganz schwieriges Thema. Als bekennender Agnostiker fehlt mir da eigentlich der Zugang.
Nur eines dazu:
Während diverser Griechenland - Urlaube kam ich des Öfteren ins Gespräch mit griechisch orthodoxen Christen, dass war noch vor dem Kontakt mit Russland. Meine Frage war immer in wie fern sich russische und griechische orthodoxe Kirche unterscheiden, ob etwa einer die reine Orthodoxie für sich beanspruchen würde.
Darauf hörte ich oft, dass die Griechen zu Zeiten der Sowjetunion wenig mehr als Verachtung für ihre russischen Glaubensbrüder zeigten, da sich diese ihrer Verantwortung als geistige Instanz (sagt man das so?) nicht bewusst und "Speichellecker" der Mächtigen seien. So könnten sie den Gläubigen nicht als Kompass dienen und hätten daher ihre diesbezüglichen Rechte auch verwirkt, was wiederum die griechisch orthodoxe Kirche automatisch in diese Rolle brächte.
Und unwidersprochen ist wohl, das der schnelle Wiederaufbau der russischen Kirche nicht alleine durch Versprechen bewerkstelligt wurde.
Und vielleicht sind ja noch einige alte Rechnungen zu begleichen. Das könnte wohl durchaus zur Spaltung führen, insbesondere wenn man das explosive politische Umfeld betrachtet.

Ich "glaube", dass die weiterführenden Links in dem von Dir angeführten Artikel durchaus zutreffen könnten.

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Re: eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 18. Dezember 2018, 10:24

Vielleicht brauchen wir aber auch ein Extraforum für Religion.
Ich habe ja schon einige Male Beiträge zu religiösen Themen gebracht, die allesamt kaum bis keine Resonanz fanden, oder die umgehend in andere Themenkreise umgeleitet wurden. Das Interesse an echter religiöser Diskussion ist in diesem Forum nicht sonderlich stark ausgeprägt, was ja auch an sich verständlich ist. In diesem Forum wird viel stärkeres Gewicht auf die gegenwärtige Situation mit ihren Alltagsbesonderheiten gelegt.

Einen Grund sähe ich jedoch, die religiöse Thematik grundsätzlich auch in diesem Forum zu beachten, denn anders als im "Westen", wo sehr früh eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche bewußt installiert und durchgesetzt wurde, wurde Derartiges in Russland nie gemacht (wenn man mal von den Zeiten des Sozialismus' absieht), und die Kirche hat immer eine besondere Rolle in der Geschichte des Landes gespielt. Es galt das geflügelte Wort "Dem Zaren gehört das Land, der Kirche das Volk". Für ein tieferes Verständnis des russischen Wesens (ich möchte den absolut überstrapazierten Begriff der russischen Seele vermeiden) ist ein Verständnis des Glaubens, der Grundlagen und der Bedeutung für das Selbstverständnis der Russen, schon notwendig. Wie gesagt, derartige Fragen spielen hier in der Regel keine Rolle.

Fazit: ein Extraforum zur Religion halte ich für wenig zielführend.

Zum Thema an sich. Sowohl der Artikel als auch das Photo zeigen ganz deutlich, dass es eindeutig nicht um religiöse Fragen geht, wenn schon der Präsident in zentraler Position dabei ist und wenn ständig Politiker und politische Standpunkte in der Vordergrund gerückt werden. Insbesondere die Aussage: ""Heute ist der Tag der endgültigen Erlangung der Unabhängigkeit von Russland" zeigt überdeutlich, woher der Wind weht.

Die Verachtung der russ.-orth. Kirche seitens der griech.-orth. Kirche ist nur verständlich, haben die Griechen ihre Vormachtstellung ("Das Zweite Rom") an Moskau ("Das Dritte Rom, und ein viertes wird es nicht geben") verloren. Gekränkte Eitelkeit, mehr nicht.
Und unwidersprochen ist wohl, das der schnelle Wiederaufbau der russischen Kirche nicht alleine durch Versprechen bewerkstelligt wurde.
Ich glaube, das hat auch niemand behauptet. Hier waren zwei Personen massgeblich beteiligt: B.N. Jelzin, der die Bedeutung der Kirche grundsätzlich erkannt und gefördert hatte und der damalige Patriarch Alexij II, der die Kirche als Institution sehr geschickt wieder aufgebaut hat. Ein Geben und Nehmen, wobei vieles, sehr vieles nicht sauber im religiösen Sinne gelaufen ist. Das ist allgemein bekannt.

Die orthodoxe Kirche ist in sich uneins wie die westlichen Kirchen auch. Man schaue sich nur die vielen offiziellen Kirchen an, die aus der urspr. evangelischen Kirche hervorgegangen sind. Die beiden bekanntesten Vertreter der orthodoxen Kirche in Russland sind die off. orthodoxe Kirche und die Altgläubigen. Diese getrennten Strömungen haben aber grundsätzlich mal nichts mit Staatsgrenzen zu tun. Wiewohl sind Kirchenspaltungen fast immer direkt durch politische Erwägungen wenn nicht bestimmt, so doch forciert. Die Abspaltung der orthodoxen von der ursp. katholischen Kirche ist ein frühes Beispiel, wo es weniger um Glaubensfragen ging (die wurden im Nachhinein stärker betont, um diese Spaltung zu rechtfertigen), sondern es ging um Missionierungsgebiete (und damit um [politischen] Einfluss).
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Re: eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von Jenenser » Dienstag 18. Dezember 2018, 14:09

Wladimir30 hat geschrieben:
Dienstag 18. Dezember 2018, 10:24
Ich habe ja schon einige Male Beiträge zu religiösen Themen gebracht, die allesamt kaum bis keine Resonanz fanden, oder die umgehend in andere Themenkreise umgeleitet wurden. Das Interesse an echter religiöser Diskussion ist in diesem Forum nicht sonderlich stark ausgeprägt,
Versuchen wir das doch ein wenig zu korrigieren!
Wladimir30 hat geschrieben:
Dienstag 18. Dezember 2018, 10:24
denn anders als im "Westen", wo sehr früh eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche bewußt installiert und durchgesetzt wurde, wurde Derartiges in Russland nie gemacht (wenn man mal von den Zeiten des Sozialismus' absieht),
Treffe ich in RU oder UA auf Leute ab Mitte 40, die ja ähnlich in Bezug auf Religion als Kind, Jugendlicher und Erwachsener sozialisiert wurden, wie ich, nämlich gar nicht, ergibt sich in Gesprächen schon manchmal die Frage zu ihrem heutigen Standpunkt. Eine Frage Richtung Ehrlichkeit?
Wladimir30 hat geschrieben:
Dienstag 18. Dezember 2018, 10:24
Für ein tieferes Verständnis des russischen Wesens (ich möchte den absolut überstrapazierten Begriff der russischen Seele vermeiden) ist ein Verständnis des Glaubens, der Grundlagen und der Bedeutung für das Selbstverständnis der Russen, schon notwendig.
Ist mir eine Persönlichkeit angenehm und gleichzeitig betont sie, ihr Handeln stehe im Zusammenhang mit dem Glauben... – mir soll`s recht sein!
Ist das zu einfach?
Wladimir30 hat geschrieben:
Dienstag 18. Dezember 2018, 10:24

Zum Thema an sich. Sowohl der Artikel als auch das Photo zeigen ganz deutlich, dass es eindeutig nicht um religiöse Fragen geht, wenn schon der Präsident in zentraler Position dabei ist und wenn ständig Politiker und politische Standpunkte in der Vordergrund gerückt werden. Insbesondere die Aussage: ""Heute ist der Tag der endgültigen Erlangung der Unabhängigkeit von Russland" zeigt überdeutlich, woher der Wind weht.
Ja vollkommen richtig.
Natürlich interessiert mich, wie sich in der Ukraine das offizielle und nichtoffizielle Verhältnis zu Russland entwickelt. Und welchen Anteil die orthodoxe Kirche mit ihren zahlreichen Gläubigen beisteuert.

Und ich zitiere noch ergänzend, den in der Vergangenheitsform geschriebenen Satz:
Wladimir30 hat geschrieben:
Dienstag 18. Dezember 2018, 10:24
Es galt das geflügelte Wort "Dem Zaren gehört das Land, der Kirche das Volk".



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Re: eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 18. Dezember 2018, 14:25

Jenenser hat geschrieben:
Dienstag 18. Dezember 2018, 14:09
Versuchen wir das doch ein wenig zu korrigieren!
Gerne gerne.
ergibt sich in Gesprächen schon manchmal die Frage zu ihrem heutigen Standpunkt. Eine Frage Richtung Ehrlichkeit?
Ein komplexes Thema. Es gibt viele, die "nachträglich" zum Glauben gefunden haben, viele interessieren sich heute noch nicht. Die Beweggründe sind vielfältig. Lassen wir jeden in dieser Frage in Ruhe. Ich glaube, das hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun, sondern mit dem Respekt dem anderen gegenüber.
Die Kirchen werden jedenfalls immer voller, wobei es beileibe nicht auf "die alten Omas" beschränkt ist, wie in solchen Diskussionen immer wieder behauptet wird, sondern ein gefühlsmäßig repräsentativer Querschnitt durch die Gesellschaft.
Ist mir eine Persönlichkeit angenehm und gleichzeitig betont sie, ihr Handeln stehe im Zusammenhang mit dem Glauben... – mir soll`s recht sein! Ist das zu einfach?
Eindeutig ja. Es geht nicht um die Frage, ob jemand gläubig ist, sondern es geht um das Wertesystem, Verhaltensmuster usw., die durch die Religion bestimmt und im Laufe der Sozialisierung vermittelt werden (meist unbewußt, d.h. man ist sich gar nicht bewußt, dass dieses oder jenes Muster oder diese oder jene Werte aus der Religion stammen). Dieses nimmt jemand auf, unabhängig davon, ob er gläubig ist oder nicht. Hier liegt eine tiefe Wurzel dessen, was man gemeinhin als "die russische Seele" (nun hab ich diesen Ausdruck doch gebraucht) versteht.
wie sich in der Ukraine das offizielle und nichtoffizielle Verhältnis zu Russland entwickelt. Und welchen Anteil die orthodoxe Kirche mit ihren zahlreichen Gläubigen beisteuert.
Das weiß ich nicht.
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Re: eigene orthodoxe Nationalkirche in der Ukraine?

Beitrag von fugen » Mittwoch 6. März 2019, 02:44

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