Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Hier kann alles diskutiert werden, dass in die anderen Unterforen nicht passt. Aber bitte keine politische Diskussion anzetteln, dafür ist das Politikforum da.

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Wladimir30
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Re: Fast wie eine Bombe.

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 19. November 2015, 10:33

makarios hat geschrieben:Ein Zusammenhang zwischen der Sozialiserung und der Entscheidung der Leute, nach Russland zu gehen, hätte mich auch interessiert.
Zusammenhang bei mir gleich Null. Ich komme aus dem Westen, absolut ohne jeglichen Bezug zur DDR. Meine Entscheidung, nach Russland zu gehen, hat mit der Sozialisierung rein gar nichts zu tun.

Die Foristen hier haben wohl eher unpolitische Gründe für ihr Interesse an Russland, also keine sozialromantischen, dafür private oder wirtschaftliche -
Mir haben schlicht und einfach die Leute gefallen, dann das Land an sich. Ich bin mit den Leuten viel besser klargekommen als mit den Leuten in Deutschland. Die Bedeutung des Einzelnen, die Rolle, die der persönliche Kontakt im Umgang spielt, das hat mir gefallen. Wirtschaftliche Gründe gab es keine. Das kam erst später hinzu. Unerwartet, unvorhergesehen.
Im Westen dagegen habe ich viel größeres Desinteresse und auch tief wurzelnde Angst vor allem vorgefunden, was mit dem "Gespenst des Kommunismus" zu tun hatte.
Beides richtig, aus meiner Sicht. Ich wurde von meinem Umfeld in Deutschland (West) mit großen Augen entsetzt angeschaut, weil es keiner verstanden hat, dass ich nach Russland will. Das waren zudem noch die 90er Jahre, in denen hier absolut Wild West (oder besser Wild Ost) herrschte. Reagan mit seinem Empire of evil-Gerede war da noch im Geiste der Leute.
Jon Snow knew nothing - Now he knows everythig..... And the big battle is over



leonidas
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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von leonidas » Donnerstag 19. November 2015, 12:04

zimdriver hat geschrieben:
leonidas hat geschrieben:....
Die Gemeinsamkeiten mit Hitler sind offensichtlich, wobei ich Hitler NICHT !!! als Faschisten bezeichne. Faschismus ist etwas anderes, als das, was in Deutschland war. Faschismus ist, mit einem einzigen Satz beschrieben. Oberklassenherrschaft bei dauernder Massenbegeisterung. Das zweite gab es in der DDR , das erste nicht. Wandltz oder die Normannenstraße war keine Oberklassenherrschaft.
Der sozialistische Aspekt bei Hitler ist enorm,,
Damit will ich es belassen....
... und damit war es wieder einer mehr auf meiner Liste der zu ignorierenden Forenschreiber ...
Du kannst davon ausgehen, dass ich meine Meinung, dass Hitler kein Faschist gewesen ist, und dass das Sozialgefüges des Deutschlands Hitlers einen erheblichen sozialistischen Aspekt hatte, ausreichend begründen kann und dass auch der Korrektor meines Beitrages, auf den Du Dich beziehst, falsch handelte.

Konkret: Das Leben der riesige Mehrheit der Deutsche unter Hitler , die nicht poliitsch und rassisch Ausgeschlossenen , spielte sich zum allergrößten Teil in außerfamiliären Gemeinschaften oder Kollektiven ab. Es gleicht wie ein Ei dem anderen. Ein Vorbeikommen war praktisch nicht möglich.

Das Schulkind gehörte zum Jungvolk, den Pimpfen, in der DDR: Junge Pioniere, in der CCCP die Oktobrionok, Später war es das Jungvolk, in der DDR und der CCCP die Pioniere.

Der Heranwachsende fand in der Hitlerjugend sein zuhause, in der DDR war es die FDJ und in der CCCP die Komsomolzen. .

Der Mann trieb Wehrsprort in der SA oder SS , wie in der DDR in der GST
Die Frau betätigte sich in der Deutschen Frauenschaft, in der DDR im Demokratischen Frauenbund.

Und wer es zu etwas bringen wollte, gehörte in die Partei, damals im Dritten Reich wie in der DDR.
Nicht zu vergessen die hunderterlei nationalsozialistischen bzw. sozialistischen Berufs, Hobbys, Sport , Bildungs- und Freizeitvereine (Kraft durch Freunde, Schönheit der Arbeit.
Das Wandern, das Marschieren, das Kampieren , das Singen und Feiern war nicht zu unterscheiden, ebensowenig die unleugbaren Geborgenheits- Gemeinschafts und Glücksgefühle, die in solchen Gemeinschaften gedeihen,
Hitler war darin unzweifelhaft Sozialist , ein sehr leistungsstarker Sozialist sogar, dass er die Menschen zu diesem Glück zwang

Hier noch ein etwas anspruchsvollerer Nachweis dafür, dass Hitler kein Faschist war;
Hitler war für die Niederlegung von Klassenschranken und Standesprivilegien, Im Gegensatz zu den italienischen Faschisten, die einen Ständestaat auf ihre Fahnen geschrieben hatten, das ist einer vonmehrren Gründen,warum man Hitler nicht mit Mussolini oder Franco in einen Topf werfen kann.
Was bei den Sozialisten „klassenlose Gesellschaft „ geheißen hat, hieß bei Hitler Volksgemeinschaft, .

------------
Die Klassifizierung der NS-Zeit mit Faschismus geschah 1945 aus der CCCP , um die Ähnlichkeiten des politischen und gesellschaftlichen Lebens der NS_Zeit mit dem Leben in der CCCP zu verschleiern..

louise
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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von louise » Donnerstag 19. November 2015, 12:24

Der nationale Sozialismus
Eine wichtige Untersuchung zur deutschen politischen Ideengeschichte zwischen 1918 und 1945
Von Kurt Sontheimer
http://www.zeit.de/1997/12/Der_national ... ettansicht
Der Nationalsozialismus, der 1933 mit Hitler an die Macht kam, bezog einen wesentlichen Teil seiner ideologischen Wirkung und Attraktivität aus der Zusammenführung von zwei mächtigen Ideenbewegungen des 19. Jahrhunderts, dem Nationalismus und dem Sozialismus, die ursprünglich gegeneinander standen und sich bekämpften, aber im 20. Jahrhundert in der Ideenbewegung eines Nationalen Sozialismus miteinander verbunden und verschmolzen wurden.
die Denkfigur Sozialismus-Nationalsozialismus habe im "Dritten Reich" eine ideologisch wie politisch verhängnisvoll effektive, weil ungemein verführerische Rolle gespielt. "Ohne die fast unbegrenzbare Abrufbarkeit der wie immer jeweils definierten sozialistischen (= Volksgemeinschaft) und zugleich nationalistischen Komponente (= Rassenideologie) dieses Denkens wäre der illusionsträchtige deutsche Weg in ein so totalitär erfassendes, letzthin verbrecherisch-unmenschliches Staats- und Herrschaftssystem wie das des ,Dritten Reiches` nicht möglich gewesen.[/b]"


Kurt Sontheimer
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Sontheimer
kann man getrost als integren Autor beschreiben. Aus dem oben angeführten Artikel konnte ich einiges lernen.........


P.S.
Als Defizit sehe ich, dass Sontheimer die religiöse Komponente, das Reichskonkordat , 20. Juli 1933, zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich nicht diskutiert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat
Durch den Konkordatsabschluss mit dem Heiligen Stuhl war es den Nationalsozialisten gelungen, viele ihrer Kritiker aus dem politischen Katholizismus vorläufig ruhigzustellen und das verbreitete Misstrauen von Teilen der katholischen Bevölkerung gegen den von ihnen als unchristlich und kirchenfeindlich angesehenen Nationalsozialismus abzuschwächen.


Wenn sogar der Papst mit den Nationalsozialisten Verträge abschließt, dann kann das mit dem Hitler nicht so schlimm sein....Diesen Gedanken hat man damals oft gehört.
"[n]o set of mutually inconsistent observations can exist for which some human intellect cannot conceive a coherent explanation, however complicated."

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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von Jenenser » Donnerstag 19. November 2015, 13:11

Norbert hat geschrieben:...weil man mich in der Schulzeit zum Lernen diese Sprache verdonnert hatte
Warum verdonnert? Meine Eltern können mir selbst heute nicht eindeutig erklären, warum sie mich nun in einer Russischklasse (ab dem 3. Schuljahr) angemeldet haben.

Vielleicht könnte es mir nicht schaden?! Mit Sicherheit spielte auch ihre eigene positive Einstellung zu Russland, zur Sowjetunion insgesamt eine Rolle. Eine Zustimmung kam auch von meinem Opa, der einst am Russlandfeldzug teilnahm und später nach mehreren meist touristischen Reisen und Arbeitskontakten mit diesem Land sein Frieden fand. Womit wir wieder bei der Sozialisierung sind.

Russische Seele:
Ein Bekannter aus Hannover fragte mich vor einiger Zeit abends beim Bier, was das nun sei, diese „russische Seele“. Ich sollte es ihm in eins zwei Sätzen erklären. Und musste einige Zeit überlegen...

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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von Norbert » Donnerstag 19. November 2015, 13:16

Im Wort Nationalsozialismus steckt ja nicht ohne Grund das Wort Sozialismus - nur halt kombiniert mit der Idee des Nationalismus. Wenn ich in Prora die Urlaubsvision der späten 1930er Jahre anschaue, so ist dies sehe ich wenig Unterschied zu FDGB-Ferienheimen oder sowjetischen Sanatorien auf der Krim.



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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von leonidas » Donnerstag 19. November 2015, 13:55

Dass der NS-Staat ein verbrecherischer Staat war, darüber gibt es sicher keine 2 Meinungen.

es war ja mein Hinweis auf den sozialisitschen Aspekt der NS-Zeit, der mir angekreidet und von der Moderation redigiert wurde..
Ich sehe übrigens in diesem sozialistischen Aspekt der NS-Zeit zumindest in der Zeit ab 1931 , also der Zeit der enormen Stimmgewinne der NSDAP , den Hauptgrund dafür , dass viele Arbeiter Hitler mit wehenden Fahnen zuflogen

Hier noch ein Zusatz:
Hitler hatte nach 1933 eigentlichg nie mit einer Opposition zu kämpfen, auch der 20. Juli war in der Substanz ein hochkonservatives Unternemen, die Totenliste liest sich wie ein Auszug aus dem Gothaer Adelskalender, auch wenn einige Ministerposten nach einem erfolgreichen Attentat an Sozialdemokraten aus optischen Zwecken gegangen wären.
Wirklich gefährlich konnte diese konservative Opposition nicht werden, , es war aber die einzige Opposition, die Hitler bis zum Ende zu schaffen machte, die Verfolgung der rechten Opposition nach dem 20. Juli - Abtauchen Adenauers in Maria Laach - hatte nichts mit dem Attentat zutun, war ein Versuch, diese einzige Opposition nun endgültig zum Schweigen zu bringen.
Und diese Opposition kam von Rechts !!! Von ihr aus gesehen stand Hitler links
Hitler ist keinesfalls so leicht als extrem rechts im politischen Spektrum einzuordnen, wie es viele Leute heute gewohnt sind.
Er war natürlich kein Demokrat, aber er war ein Populist , ein Mann, der seine Macht auf Massen stützte , NICHT auf Eliten, wie es bei Mussolini oder Franco war.. Wichtigstes Hilfsmittel war Demagogie und sein Herrschaftssystem war keine gegliederte Hierarche wie bei Mussolini. Alles zusammen gehalten durch eine einzige Person., alles eher linke als rechte Züge. (Stalin,, Tito, Mao )

Von Stalins " Sozialismud in einem Land" unterschied sich Hitlers Nationalsozuialismus , freilich durch das weiterbestnde Privateigentum an den Produktionsmitteln, für Marxisten ein gravierender Unterschied, und ob das wirklich in einem toalistären Befehltsstaat wirklich so gravierend ist, bleibt dahingestellt.

Die Unterschiede zum klassischen Faschismus Mussolinis sind noch gravierender: keine Monarche,= keine Absetzbarkeit und damit Auswechselbarkeit des Diktators, keine feste Hierarchie in Partei und Staat , keine Verfassung, auch keine faschistische wie in Italien , kein wirkliches Bündnis mit den traditonellen Oberklassen.

Ein Beispiel sollte zudenken geben: : Mussolini trug so oft Frack wie Pateiuniform. Hitler trug Frack gelegentlich in der Übergangszeit 1933/1934 solange Hindenburg noch Reichspräsident war. danach immer nur Uniform, - wie Stalin
Zuletzt geändert von leonidas am Donnerstag 19. November 2015, 14:14, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von louise » Donnerstag 19. November 2015, 14:14

Um die Kurve zu kriegen zum Thread Thema...

Der urchristliche "Gemeinde"-Gedanke und die Weiterentwicklung zum "Kommunismus" als Religionsersatz.
Dann Realer Sozialismus mit massiver Beschränkung individuellen Verhaltens. Die Gemeinschaft zählt.
Heute äußert sich das bei sozialistisch geprägten Individuen in Gruppenbildung, Cliquen usw. in denen Exzentriker und Individualisten ausgegrenzt werden und "nerven" und das ernsthaft. Das geht bis zur Fremdenfeindlichkeit. Auch erstaunlicherweise bei denen, die den realen Sozialismus gar nicht mehr erlebt haben.
Ich bin immer wieder baff, wie schnell man daran Ostdeutsche erkennt.
(Nur meine persönliche Meinung, Ohrfeigen willkommen!) ;)
Zuletzt geändert von louise am Donnerstag 19. November 2015, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
"[n]o set of mutually inconsistent observations can exist for which some human intellect cannot conceive a coherent explanation, however complicated."

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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von leonidas » Donnerstag 19. November 2015, 14:24

Norbert hat geschrieben:Im Wort Nationalsozialismus steckt ja nicht ohne Grund das Wort Sozialismus - nur halt kombiniert mit der Idee des Nationalismus. Wenn ich in Prora die Urlaubsvision der späten 1930er Jahre anschaue, so ist dies sehe ich wenig Unterschied zu FDGB-Ferienheimen oder sowjetischen Sanatorien auf der Krim.
Wenn man nun Nationalsmus als Idee ansieht, so muss darauf hingewiesen werden, dass diese IDEE keine 150 Jahre als ist, ich diese Idee als das Grundübel des 19. Jahrunderts ansehe.
Männer haben ihren Völker diese Idee des Nationalimus eingeimpft.
War es vorher, z.B. nach Kriegen dem Einzelnen völlig egal, unter welchem Zepter er zukünfig zu leben hat, so bekam die Zugehörigkeit zu einer anderen Nation plötzlich einen anderen Stellenwert.

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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von Norbert » Donnerstag 19. November 2015, 14:41

louise hat geschrieben:Heute äußert sich das bei sozialistisch geprägten Individuen in Gruppenbildung, Cliquen usw. in denen Exzentriker und Individualisten ausgegrenzt werden und "nerven" und das ernsthaft. Das geht bis zur Fremdenfeindlichkeit. Auch erstaunlicherweise bei denen, die den realen Sozialismus gar nicht mehr erlebt haben.
In jeder Gruppe werden Exzentriker und Individualisten ausgegrenzt. Schau Dir an, wie schwer es Anton Hofreiter mit seiner sehr individuellen Frisur bei den Grünen hat - die mit Sozialismus wenig am Hut haben.

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Re: Folgen der Sozialisierung für den allg. Umgang

Beitrag von Jenenser » Donnerstag 19. November 2015, 14:52

louise hat geschrieben:...
Ich bin immer wieder baff, wie schnell man daran Ostdeutsche erkennt.
(Nur meine persönliche Meinung, Ohrfeigen willkommen!) ;)
Ich schlage doch keine Frau. Diese Ansichten sind mir durchaus bekannt. Der Mensch ist nun mal ein Gemeinschaftswesen. Schön , dass Du Dich im Forum beteiligst. Neid und übertriebene Individualität führen dagegen zur Vereinsamung. Der Kabarettist Uwe Steimle (aus Dresden!) hat das mal so formuliert: „In der DDR kümmerte man sich um die Menschen, dafür verfielen die Häuser...!“



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