Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

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Jenenser
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Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Jenenser » Montag 27. April 2015, 13:27

Wenn man die Nachricht aus RU erhält, dass ein enges Familienmitglied verstorben ist, weiß man nicht genau, wie man sich verhalten soll. Und doch denke ich, die richtigen Worte gefunden zu haben. Wer kann Auskunft geben, wie der Abschied, die Beerdigung gestaltet wird. Welche Bedeutung hat das Gedenken am 9 und 40.Tag nach dem Tod?



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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Wladimir30 » Montag 27. April 2015, 13:55

Ich verstehe nicht genau, was Du meinst, wie die Beerdigung gestaltet wird. Meistens wird der Leichnam bis zur Beerdigung (am dritten Tag nach dem Tod) zuhause aufgebahrt. Jeder kann kommen und sich von ihm/ihr verabschieden, was auch immer gemacht wird. Dann die Beerdigung am Friedhof, wo der Sarg erst zugenagelt wird. Dann geht es irgendwo zum Leichenschmaus, wo nach Möglichkeit jeder ein paar Worte sagen sollte.

Der neunte Tag hat eine Bedeutung mehr im engeren Familienkreis.

Der 40. Tag ist dann wieder eine große "Feier", wo sich wieder alle versammeln und wie bei der Beerdigung alle was aus dem Leben des verstorbenen berichten. Lustige, interesante Momente, die allen noch mal in Erinnerung rufen, wer der Mensch war.

Hilft das so?
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Bluewolf » Montag 27. April 2015, 14:02

Hallo Jenenser, in Ergänzung zu Wladimir,

meine Frau hat das dieses Jahr leider schon zum dritten Mal mitgemacht. Im Januar war es ihr Cousin, im Februar ihre Mutter und letzte Woche ihr Onkel. Von daher ist sind mir die Rituale noch frisch in Erinnerung, auch wenn meine Frau letztlich nur zur Beerdigung ihrer Mutter selbst in Russland war.

Es kamen alle Bekannten und Verwandten sofern es ihnen gesundheitlich möglich war, und zwar egal woher (Kaliningrad, SP, Ufa, Samara, Moskau, Twer soweit mir bekannt). Das wurde alles über Mundpropaganda veranlasst, ein initialer Anruf war dabei genug.
Soweit ich meine Frau verstehe, ist es neben der eigentlichen Zeremonie sehr wichtig mit allen Gästen über den Verstorbenen zu sprechen um verschüttete Erinnerungen wieder ans Licht zu bringen und so verschiedene Facetten beleuchten zu können. Dies geschieht bei einem eher spartanischen Essen, im Falle meiner Schwiegermutter ein selbst gemachtes Buffet. Wichtig für mich war zu beobachten, das man nicht anstößt, jedoch durchaus zuprostet. Im Übrigen klärt man seine persönlichen Verhältnisse zu bestimmten Anwesenden, mit denen man evtl. noch eine Rechnung offen hat und versucht alte Mißverständnisse auszuräumen. Ob das allerdings typisch orthodox ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Zu den einzelnen Stadien gibt es hier im Forum schon eine schöne Erklärung:

http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?t=11947

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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Wladimir30 » Montag 27. April 2015, 14:37

Nochmal zur Frage der Daten an sich:

3. Tag = Beerdigung: Jesus ist am dritten Tag auferstanden. Und in Anlehnung an die Dreifaltigkeit. Drei Tage lang bleibt die Seele in der Nähe des Körpers und erinnert sich an die Tage des Lebens auf Erden. Am dritten Tag wird die Seele zu Gott gerufen.
9. Tag = Anzahl der verscheidenen Engelsebenen. Diese Engel helfen der Seele bei der "Klärung" der Sündhaftigkeit der Seele. Die Seele ist dann nicht mehr auf Erden, sondern im Paradies, wo die Gerechten verblieben sind. Hier erkennt die Seele, welche Verfehlungen sie begangen hat. Am 9. Tag wird die Seele erneut vom Herren gerufen und - diesmal gemeinsam mit den helfenden Engeln - wird sie zur Rechenschaft gezogen.
40. Tag = Anzahl der Tage, die Jesus gefastet hat in der Wüste und der Anzahl der Tage, die Jesus nach der Auferstehung auf Erden wandelte, bevor er sich gen Himmel erhob. Moses mußte 40 Tage lang fasten, bevor er die 10 Gebote ausgehändigt bekam. 40 Jahre sind die Juden im Sinai umhergeirrt. Ab dem 9. Tag wird die Seele in die Verdammnis geschickt, um die unermesslichen Plagen der Sünder zu sehen. Am 40. Tag wird die Seele zum dritten Mal zum Herren gerufen, und hier entscheidet sich dann, wo sich verbleiben wird bis zum Tag des Jüngsten Gerichts.
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Jenenser » Montag 27. April 2015, 15:47

Wladimir30 und Bluewolf, vielen Dank für Eure Informationen! Da habe ich wieder eine Menge dazu gelernt. [Danke]



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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Wladimir30 » Montag 27. April 2015, 15:48

Sehr gern geschehen!
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Bluewolf » Montag 27. April 2015, 15:57

dito ;-)

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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Norbert » Montag 27. April 2015, 16:27

Traditionen, die mir spontan noch in den Sinn kommen:
* Der Sarg ist immer offen und der Leichnam wird von den Angehörigen geküsst. Während der Sarg aufgebahrt ist, hält rund um die Uhr jemand aus der Familie Totenwache.
* Nachdem der Sarg aufgebahrt drei Tage in der Wohnung stand, wird er ins Krematorium oder zum Grab gefahren. Dabei werden Nelken im Hausflur und vor dem Haus ausgelegt. Wer also im Hof einen Hauses zufällig noch schöne Nelken findet - keinesfalls mitnehmen und der Freundin schenken! (Das ist ein ernstgemeinter Hinweis - soll vorgekommen sein!)
* Zur Verabschiedung am Grab / im Krematorium werden Stofftaschentücher an alle Trauernden ausgeteilt, die diese als Erinnerung mitnehmen.
* Ich habe es erlebt, dass die Trauergemeinde bei der Einäscherung zugeschaut hat - hier in Novosibirsk steht man hinter einer Glasscheibe und sieht, wie der Sarg in den Ofen geschoben wird. Nichts für weiche Gemüter.
* Es gibt bei den Trauermahlzeiten immer kalten Reis mit Rosinen. Der Hintergrund ist mir nicht bekannt.

Die Gräber werden später besucht:
* Zu Pfingsten (?)
* Am "Roditelsky Djen"
* Am Todestag
* Eventuell auch am Geburtstag

Dabei werden dem Toten stets Mitbringsel am Grab gelassen - Wodka, Speck, Kekse, Konfekt, Kuchen, ... . Dies sind zugleich Almosen für jene, die gar nichts zu Essen haben und darauf angewiesen sind, sich eventuell von solchen Gaben zu ernähren. Auch wenn es sich natürlich nicht gehört.

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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von Wladimir30 » Montag 27. April 2015, 16:42

Kleine Ergänzungen:
Norbert hat geschrieben: * Nachdem der Sarg aufgebahrt drei Tage in der Wohnung stand, wird er ins Krematorium oder zum Grab gefahren. Dabei werden Nelken im Hausflur und vor dem Haus ausgelegt.
Nelken kenne ich nicht. Ich kenne aus verschiedenen Gegenden Tannenzweige. Diese werden genommen, da Tannen immer grün sind und dadurch das ewige Leben symbolisieren.
* Zur Verabschiedung am Grab / im Krematorium werden Stofftaschentücher an alle Trauernden ausgeteilt, die diese als Erinnerung mitnehmen.
Das kenne ich nicht.
* Es gibt bei den Trauermahlzeiten immer kalten Reis mit Rosinen. Der Hintergrund ist mir nicht bekannt.
Hier gibt es sehr viele Variationen, meist örtlich unterschiedlich. Gemein ist ihnen, dass in der Regel auch Honig mit dazugegeben wird. Entweder mit verrührt in den Reis mit Rosinen (кутья), oder in einem kl. Schälchen. Das soll den Toten das bittere Dasein im wahrsten Sinne des Wortes versüßen.
Die Gräber werden später besucht:
* Zu Pfingsten (?)
Ostern. Wobei es umstritten ist, ob nun direkt am Ostersonntag (wohl eher falsch, obwohl als Tradition fest verankert) oder am Dienstag eine Woche nach Ostern.
* Am "Roditelsky Djen"
Das ist gerade der Dienstag eine Woche nach Ostern.
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Re: Abschied und Beerdigung (по православной традиции)

Beitrag von klaupe » Montag 27. April 2015, 20:18

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Zuletzt geändert von klaupe am Mittwoch 29. April 2015, 06:19, insgesamt 1-mal geändert.
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