Die Vergiftung von Alexey Navalny

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Axel
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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Axel » Dienstag 15. Dezember 2020, 20:58

Ich glaube Nawalny ist nicht irgendein Youtuber, der paar Abonnenten hat und Lifehack-Videos dreht, sondern mittlerweile einer der wichtigsten Gallionsfiguren gegen dieses Putin-Regime, dessen Relevanz weit über die Grenzen der russischen Föderation hinausgehen. Hätte man ihn einfach per Kopfschuss erledigt, hätte das international weitreichende Folgen haben können, also musste er schleichend verschwinden ohne viel Aufsehen zu erregen. Wenn man den Plan analysiert, war er eigentlich gut durchdacht, nur durch die heldenhafte Notladung des Piloten und das Verbreichen von Atropin lebt Nawalny. Sonst wäre es der perfekte Mord gewesen, niemand hätte die wahre Ursache erfahren, es gäbe keine internationale Expertise, da Nawalny auf russischem Hoheitsgebiet verstorben wäre, die Weltöffentlichkeit hätte sich mit einer Erklärung Moskaus begnügen müssen wie vor einem Monat a la er hatte was mit der Bauchspeicheldrüse und zu viel Alkohol getrunken. Keine Sanktionen, kein Verurteilungen, kein Ankratzen am ohnehin schlechtem Image von Putins Russland. Dass der Plan in die Hose ging, ist ja nicht Schuld der FSB-Lakaien, sondern die des Piloten und Arztes, die noch Mitmenschlichkeit besaßen. Ohne die wäre Nawalny tot. Noch eindeutiger geht es ja nicht: Der FSB-Mann Panjaev, der direkt ein Zimmer neben Nawalnys Wohnung in Moskau mietete und ihn auf Schritt und Tritt beschattete. Die Flugbuchungen von Panjaev, Frolov, Spiridonov, Krivoshekov die immer zur gleichen Zeit genau dahin flogen, wo sich Nawalny befand. Kurios: Als in Kaliningrad der erste Anschlag wahrscheinlich wegen zu geringer Dosierung fehlschlug, sind sie schon ein Tag zuvor nach Moskau abgereist. Besonders bizarr: Als Nawalny einen Farbanschlag hatte und seine Reise nach Astrahan nicht antreten konnte, sind sie dennoch nach Astrahan geflogen in dem Glauben, er werde dort sein. Am 21. August, als sich Nawalny im Koma befand, sind sie dann nach Gorno Altajsk geflogen unweit von Bijsk, wo sich das ИПХЭТ-Institut befindet, dass sich "zufällig" mit der Beseitigung von chemischen Kampfstoffen beschäftigt. Und genau daraufhin wird das Krankenhaus von FSB-Männer überstellt, der Arzt ändert seine Diagnose und Videoaufnahmen werden gelöscht. Suprise Surprise ! Und erst nach 2 Tagen, in dem Glauben das Gift werde nicht mehr nachweisbar sein, darf Nawalny natürlich abreisen und Putin feiert seinen PR-Gag, er hätte seine Ausreise ermöglicht, also kann er natürlich nicht der Auftraggeber sein. Und genau deswegen wurde das Gift gewählt, weil man damit die Schuld leicht auf andere abwälzen und allerlei Verschwörungsscheiß bedienen kann, dem Sinn gemäß, wir waren es nicht, wir haben seine Ausreise ermöglicht, Deutschland hat ihn vergiftet, er hat zu viel Alkohol getrunken, Ende. Der Plan war also gar nicht übel.

Natürlich können die üblichen Verdächtigen wieder behaupten, die Personen seien erfunden, aber deren Identität kann man leicht googlen, ihre Personendaten und Flugbuchungen kann man in den Telegramgruppen einsehen, dazu kommt, dass die Frau von einem Verdächtigen mittlerweile ihr VK-Profil gelöscht hat, worauf sie mit mit dem Mann zu sehen war. Zuzüglich ist der Bericht erst einen Tag alt, nur keine Hast, ich wette, es werden sich Klassenkameraden und Bekannte melden, die wie schon beim Fall von Skripal die Identität der Verdächtigen zweifelsfrei bestätigen werden, sodass wir vielleicht bald ein neues "Interview" von drei männlichen Verdächtigen sehen werden, die angeben werden in Novosibirsk lediglich eine Kirchen besichtigt zu haben und unglücklich zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren.
Der Rest wurde mit Telefongespräche verglichen, die wahrscheinlichen von Whistleblowern kommen.
Moment der Ironie: Wenn es selbst in den Reihen des dunklen FSB mittlerweile Menschen gibt,
die eine Linie überschritte sehen, wenn unbescholtene, sich nichts zu Lasten kommende Bürger für die Interesse einer Oligarchenkaste sterben müssen und sich genötigt sehen zu sabotieren.

Abschließendes Fazit: Putin hat in 20 Jahren nicht nur sein Land gegen die Wand gefahren, sondern auch seinen Geheimdienst.
Einmal mehr wurde die mörderische Fratze dieses Autokraten entlarvt, der bereit ist jeden ermorden zu lassen, der ihm gefährlich werden könnte.
Mal sehen, wie lange seine Knechte ihm und seinen Oligarchen noch die Treue halten werden.



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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von paramecium » Dienstag 15. Dezember 2020, 21:13

m5bere2 hat geschrieben:
Dienstag 15. Dezember 2020, 10:15
2. Ein kompletter Geheimdienst schafft es fast vier Jahre lang nicht, einen einfachen unbewaffneten Youtube-Heini aus dem Weg zu räumen? Versucht es offenbar drei Mal mit dem tödlichsten Gift der Welt und es klappt nicht? Wieso findet man nicht einfach einen armen "irren Psychopathen", der ihn abknallt? Hat doch früher auch funktioniert.

Punkt 2 lässt ja eigentlich nur drei Schlüsse zu: a) die Screenshots und Fotos im Video sind alle selbstgemalt, b) der Geheimdienst ist maroder als vermutet, oder c) die Geheimdienstler haben doch Skrupel und bringen es nicht über sich.
Ich finde die Erklärung von Navalny am Ende des Videos überzeugend. Er und seine Frau wurden offenbar bereits zuvor mit niedrigen Dosen vergiftet ohne überhaupt zu ahnen, dass es sich bei den Symptomen um Vergiftungserscheinungen handelt. Ein Vergiftungstot lässt sich leichter vertuschen und weckt mehr Zweifel als eine Kugel im Kopf. Die Dosis die in Tomsk verabreicht wurde war eigentlich auch nahezu perfekt. Nawalny wäre im Flugzeug gestorben, hätten nicht diverse glückliche Umstände zu seiner Rettung beigetragen. Dann wäre die Operation erfolgreich abgeschlossen worden und die Beteiligten hätten sich ihr Lametta für die nächste Djen-Pobedi-Parade abholen können.
Aufgeflogen ist die Vergiftung letztendlich nur, weil den Wissenschaftlern in Bijsk offensichtlich weniger sensitive LC-MS-Methoden zur Verfügung standen als den Kollegen in Europa und sie der Führung versicherten, dass kein Novitschok in Navalnys Blut nachgewiesen werden könne, was letztlich seine Ausreise ermöglichte.

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Berlino10 » Mittwoch 16. Dezember 2020, 00:31

Wer es glauben will, wird auch diese Geschichte wieder glauben,
für andere sind es mal wieder reine Behauptungen,
ohne jede Beweiskraft, von den üblichen Propagandisten.

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von kamensky » Mittwoch 16. Dezember 2020, 15:11

Berlino10 hat geschrieben:
Mittwoch 16. Dezember 2020, 00:31
Wer es glauben will, wird auch diese Geschichte wieder glauben,
für andere sind es mal wieder reine Behauptungen,
ohne jede Beweiskraft, von den üblichen Propagandisten.
Dann ist es nach deinen Gedanken ja keine Geschichte, sondern gehoert in die Kategorie "Maerchen" !
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Norbert » Mittwoch 16. Dezember 2020, 15:22

Berlino, was ist denn Deine Version?

Amerikanischer Geheimdienst versucht North Stream II zu sabbotieren?
Alkohol + Vergiftung im deutschen Krankenhaus?

(Ich meine die Frage nicht provokativ, es interessiert mich wirklich.)



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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von m5bere2 » Mittwoch 16. Dezember 2020, 18:30

Axel hat geschrieben:
Dienstag 15. Dezember 2020, 20:58
Und erst nach 2 Tagen, in dem Glauben das Gift werde nicht mehr nachweisbar sein, darf Nawalny natürlich abreisen und Putin feiert seinen PR-Gag, er hätte seine Ausreise ermöglicht, also kann er natürlich nicht der Auftraggeber sein.
Was ist dann aber mit den Behauptungen britischer Zeitungen, Nawalny wäre direkt vor der Abreise nach Berlin nochmals vergiftet worden? Das wäre ja sehr kontraproduktiv, wenn man hoffte, es gäbe dann keine Spuren mehr ...

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Axel » Mittwoch 16. Dezember 2020, 19:59

Würde gerne mal wissen, wo Du das her hast. Konnte diesbezüglich nichts finden.
In der Tat würde das keinen Sinn machen, wenn sie die Tat vertuschen wollten.
Das hört sich eher für mich nach einer Nebelkerze aus Moskau an, wonach Nawalny an Bord auf dem Weg nach Berlin von Deutschen vergiftet worden sei und Russland damit nichts zu tun habe.
Selbst wenn dem so wäre, auf Feinheiten kommt es meiner Meinung nach nicht mehr an, da zu viel für eine Verwicklung des russischen Geheimdienstes spricht.
1. Videomaterial vom Flughafen gelöscht
2. Krankenhaus von FSB-Einheiten überstellt, die sich nicht auswiesen.
3. Arzt bestätigt Verdacht einer Vergiftung, ändert dann plötzlich seine Diagnose
4. Russische Staatsanwaltschaft weigert sich ein Verfahren zu eröffnen und schließt seltsamerweise die Version
eines Mordanschlags ohne Duldung von Widerworten sofort aus.
5. Mysteriöser Zickzack-Kurs von russischen Offiziellen, wonach Alkohol und dann plötzlich die Bauspeicheldrüse Schuld an Nawalnys Zustand war (Diese Behauptungen wurden schon widerlegt)
6. In der Boulevard-Zeitung "Moskowski Komsolomez" gab es einen Bericht, worin der Geheimdienst angab über jeden Schritt von Nawalny informiert zu sein; wohin er spaziert, wo er joggt, wohin er reist. Warum und mit welcher Berechtigung man den Politiker überhaupt überwacht hat, verrieten die Geheimdienstler nicht.

Das Nawalny-Video war lediglich nur noch das i-Tüpfelchen, dass die Zusammengänge schlüssig aufdeckte. Selbst ohne das Video kann man bei den obigen 6 Sachverhalten mit 99 % von einer Beteiligung des Geheimdienstes ausgehen. Ich warte nur noch darauf, bis ehemalige Klassenkameraden und Kollegen die Identität der Verdächtigen wie schon zwei Jahre zuvor bei Skripal bestätigen, dann ist das Ding für mich durch. Dass die Frau mittlerweile von einem Verdächtigen sämtliche Profile auf Social Media löschen lies, erhärtet nur den Verdacht.
Bis jetzt haben Nawalnys-Recherchearbeiten im Übrigen fast alles immer 100 % wahrheitsgetreu aufdecken können.

Interessanter Fakt: Laut Nawalny begann der FSB ihn 2016 auszuspionieren, als er erst seine Präsidentschaftskandidatur bekanntgab. Davor gab es keine Flugbuchungen der Verdächtigen, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Ein weiteres Indiz, dass der KGB-Mann nasse Füße bekam.

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Berlino10 » Mittwoch 16. Dezember 2020, 23:50

Norbert hat geschrieben:
Mittwoch 16. Dezember 2020, 15:22
Berlino, was ist denn Deine Version?

Amerikanischer Geheimdienst versucht North Stream II zu sabbotieren?
Alkohol + Vergiftung im deutschen Krankenhaus?

(Ich meine die Frage nicht provokativ, es interessiert mich wirklich.)
Ich habe keine ... aber 8 Superagenten versuchen drei Jahre lang einen Blogger zu töten.
Erfolglos. Was für ein Stoff für einen Hollywood-Thriller. Oder doch eher für eine Komödie?

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von paramecium » Montag 21. Dezember 2020, 16:55

Ich mach hier einfach mal weiter, auch wenn die Beiträge der letzten Tage fehlen.

Das heute auf Nawalns Blog veröffentlichte Telefongespräch mit einem der mutmaßlichen Staatsterroristen spricht für sich selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=ibqiet6Bg38

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Re: Die Vergiftung von Alexey Navalny

Beitrag von Axel » Montag 21. Dezember 2020, 18:38

Damit ist der Drops endgültig gelutscht. Es gibt keinen Fall seit der Putin-Ära, der dank Indizien so eindeutig ist, die Beweislage so erdrückend ist, dass eine Täterschaft des Geheimdienstes und des Präsidenten unmöglich noch zu leugnen ist.
Hier hat der Geheimdienst (zum Glück) komplett versagt ! Einfach der Wahnsinn !
Konstantin Kudryavcev gibt im Telefongespräch persönlich zu, dass er seit 2017 mit Vasily Kalaschnikov Nawalny per Flüge ausspionierte und vergiften sollte ! Außerdem bestätigt er die Identität von Oleg Tayakin, den man im Video bei 5:25 sogar kurz beim Öffnen seiner Haustür sehen kann, des Chemikers Stanislav Makshakov, der Informationen zum Nervengift bereitstellte, und des anderen FSB-Handlangers Alexandrov. Seinem Wortlaut nach zu urteilen wäre die Operation erfolgreich abgeschlossen worden, wenn der Pilot nicht gelandet und der Arzt kein Antropin verabreicht hätte.
Interessant: Die korrupte russische Polizei war eingeweiht und hat mit dem FSB zusammengearbeitet und die Sachen von Nawalny übergeben, damit diese gereinigt und Spuren vernichtet werden konnten !
Auch bestätigt er die Verwicklung der FSB-Offiziere Patrushev und Bogdanov, die wegen Hochsicherheitsstufe
ohne grünes Licht von Putin diese Operation niemals befehlen hätten könnten.

Das ist moderner Staatsterror und Neostalinismus! Hiermit hat man offiziell schwarz auf weiß den Beweis, dass Putin persönlich den Mord an seinen Widersachern befehligt, die ihm gefährlich werden könnten. Jetzt reiht sich die Verfassungsänderung wie das letzte Puzzlestück auch letztendlich ins Bild ein, warum Putin sich lebenslange Immunität beschert hat; weil er Angst hat wegen seinen dirigierten Morden vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag zu stehen ! Putin hat somit bei mir offiziell die letzte Sympathie verspielt, die seit 2012 ohnehin kaum noch für ihn hatte, und reiht sich für mich als Inkarnation des Bösen mit anderen Diktatoren wie Kim Jong Un in die Reihe ein.

PS: Es gab ja 1999 diesen Bombennaschlag in Moskau, bei denen mehrere Wohnblöcke eingestürzt sind. Schon da gab es die Vermutung, dass der FSB mitgemischt hat, damit das Rating von Putin in die Höhe schellt und man einen Grund für den zweiten Tschetschenienkrieg hatte. Aus Anstand und gutem Geschmack habe bis jetzt auf solche Verschwörungstheorien verzichtet, aber wenn man sich die Umstände dieser Häusereinstürze mal genauer durchliest ("рязанский сахар") lässt der Nawalny-Fall das ganze in einem neuen Licht erscheinen und ich traue mittlerweile dem Geheimdienst unter Putin jegliches Scheusal zu !



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