AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von saransk » Mittwoch 27. September 2017, 12:01

Okonjima hat geschrieben:Keine Ursache - dafür bin ich doch da! Ich persönlich finde mich in D mit meiner Meinung fast nur noch "zwischen den Stühlen" wieder.
Geht mir auch so, wobei ich mit meiner Meinung auch nicht hinter dem Berg halte.
Vor der Wahl wurde ich in der Fußgängerzone von so einer mit dem "einzig richtigen Glauben" aus V-Partei angequatscht (Vegetarier,Veganer und so)
Meinte dann nur, ich hätte keine Zeit da ich auf dem Weg zum Metzger sei, weil ich meinen Kinder was richtiges zum essen kochen wolle. Die Beschimpfungen und direkten Beleidigungen auch von den anderen, sorry, Ökotussies (waren wirklich nur Frauen) dort am Stand hab ich dann auch noch einige Meter weiter gehört. :lol:
da sind mir politische Diskussionen in Russland doch bedeutend lieber. Hier wird, zumindest mein bisheriger Eindruck, die andere Meinung durchaus akzeptiert. Außerdem kann man sich danach noch in die Augen sehen, weil man nicht zum persönlichen Feindbild des gegenüber mutiert ist. (Na gut, bei Schirinowski war ich mir da nicht so sicher, aber das fällt vielleicht schon unter Altersdemenz)



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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von fugen » Mittwoch 27. September 2017, 12:12

Der vergleich ist extra so harsch gewählt um einfach zu polarisieren.

Alle sagen nur Dumme wählen AfD, aber dass es aus Protest ist, weil die Leute einfach unzufrieden sind interessiert nicht, weil die Leute ja "beschränkt" sind.
Und da ist auch der Zusammenhang zum Judenstern - mit den Juden musste nicht diskutieren, weil es eben Juden waren.

Die Wähler der AFD haben Ihrem Potest eine Stimme verliehen und wenn im Nachhinein gesagt wird siehe Headline einer Zeitung:
http://www.rp-online.de/politik/deutsch ... 104621.amp

Das ist einer offenen Und respektvollen Diskussion unwürdig so den Wähler abzustempeln.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von saransk » Mittwoch 27. September 2017, 12:28

fugen hat geschrieben:Alle sagen nur Dumme wählen AfD, aber dass es aus Protest ist, weil die Leute einfach unzufrieden sind interessiert nicht, weil die Leute ja "beschränkt" sind.
Stimmt . Mehr müsste man dazu eigentlich nicht sagen, wenn man etwas Nachdenken voraussetzen würde. Aber wie bei meinem oben geschilderten Erlebnis auch, gibt es in der politischen Diskussion in Deutschland irgendwie nur schwarz und weiß, oder meine absolut und unumstößlich richtige Meinung, und dein/euer unqualifiziertes Geschwafel.
Wenn 10% der AfD-wähler wirklich nur aus Protest gewechselt haben, wäre es wohl eher angebracht, das die etablierten Parteien eingestehen, das deren bisherige Politik so nicht weiter gehen kann. Aber dazu müsste man ja zum einen über seinen Schatten springen und zum anderen auch den eigenen Parteimitgliedern sagen, das das, wofür sie diese Parte bisher ja gewählt haben, überdacht und geändert werden muß, und dazu auch vehement verteidigte Glaubensgrundsätze nicht tabu sein dürften.
Wobei ich denke, ist aber meine eigene Meinung, das der Parteiname auch viele Stimmen gebracht hat. Die Menschen haben eine Alternative gesucht und halt hier gefunden. Die anderen Parteien haben dieses Wort doch im ganzen Wahlkampf nicht verwendet. Wobei ich auch glaube, das wohl kaum einer der AfD-Wähler wirklich einmal das Parteiprogramm intensiv gelesen hat.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Norbert » Mittwoch 27. September 2017, 13:22

fugen hat geschrieben:Das ist einer offenen und respektvollen Diskussion unwürdig so den Wähler abzustempeln.
Absolut richtig. Wenn man dann aber selbst deswegen mit dem Judenstern anfängt, dann bringt man sich in eine Position, die nicht grundlos als dumm bezeichnet wird.

Aber Deinem zweiten Posting stimme ich zu. Es kann nicht sein, dass uns Demokratie nur gefällt, so lange das Volk "die Richtigen wählt". Wer so tickt, hat die Demokratie nicht verstanden. Ich kann eine Meinung im Volk nicht wegreden. Wenn sie mir nicht gefällt, muss ich attraktive Alternativen aufzeigen.

Wenn also das Volk ein Problem mit Flüchtlingen hat, dann muss ich Regeln finden, welche sowohl den Wunsch zu helfen als auch die Sorgen unter einen Hut bringen. Mit strengeren Regeln für Abschiebungen, strengerem Umgang mit Missbrauch, strengerem Umgang mit Herkunftsverschleierung, etc. Dafür muss man dann natürlich auch wieder die linken Wähler begeistern.

Und wenn das Volk Zweifel an der Rettung von Griechenland hat, so muss man eben klar aufzeigen, dass hier nicht Griechenland gerettet wurde, sondern das deutsche Bankenwesen, welches sonst auf den Krediten sitzen geblieben wäre.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Berlino10 » Mittwoch 27. September 2017, 13:36

Ich lese hier immer von Demokratie. Wenn wir die tatsächlich noch hätten, gäbe es die AfD gar nicht.



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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von fugen » Mittwoch 27. September 2017, 13:38

Dass der Deutsche ein Problem damit hat, und Zeitgleich das Denken einstellt, wenn das Wort Jude benutzt wird, dann ist nicht der Benutzer des Wort schuld ;-)

Abstempeln funktioniert eben nach dem Prinzip.

Wenn zu Beginn der Debatte dem "gemeinen Aussiedler" ein Stempel, der den Flüchtling mit dem Aussiedler gleichstellt, verpasst wird dann sollte man sich nicht wundern wenn dann ein Widerwort kommt.

Ich bin Protestwähler, aber sicherlich nicht AFD NPD und solche Konsorten ;-)

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von fugen » Mittwoch 27. September 2017, 13:40

Berlino10 hat geschrieben:Ich lese hier immer von Demokratie. Wenn wir die tatsächlich noch hätten, gäbe es die AfD gar nicht.
Wieso, hätte man die AfD verbieten sollen :-D

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von m5bere2 » Mittwoch 27. September 2017, 13:51

zimdriver hat geschrieben:... wählt man nicht immer freiwillig und geheim?
Nun, nicht jeder wählt freiwillig die AfD. Ich habe es z.B. nicht gemacht. ;) Und auch ob ich geheim wähle, ist meine Entscheidung. Ich kann es hinterher ja rumposaunen...
Die bislang Regierenden müssen sich fragen, wie sie sich in ihrer Wahrnehmung so weit vom Volk entfernen konnten. Es wählten eben nur 53,4% (32,9 plus 20,5) die bisherigen Regierungsparteien.
Da bist du aber optimistisch. Das musst du noch mit 75% Wahlbeteiligung multiplizieren, dann haben wir nur noch 40% der Wahlberechtigten, die bereit waren, den derzeitigen Regierungsparteien die Stimme zu geben.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Berlino10 » Mittwoch 27. September 2017, 14:04

fugen hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Ich lese hier immer von Demokratie. Wenn wir die tatsächlich noch hätten, gäbe es die AfD gar nicht.
Wieso, hätte man die AfD verbieten sollen :-D
Macht man das in einer Demokratie? ... wohl nicht.

Nein, wenn wir tatsächlich noch eine funktionierende Demokratie und Pressevielfalt hätten, könnten sich nicht die Interessen weniger gegen die Interessen vieler / der meisten Menschen so durchsetzen wie es bei uns der Fall war und ist.
Jimmy Carter: wir sind nicht länger eine Demokratie, sondern eine Oligarchie mit endloser politischer Korruption.
Angefangen von den Steuer- und Subventionsgeschenken an das Finanzkapital, das Auschlachten des Ostens, das Kaputtlügen und -machen der staatlichen Rente zugunsten der privaten Oligarchie, irrsinnige Sanktions-, Kriegs- und Militärinterventionen, Hochrüstung, Autobahn- und sonstige Privatisierungen, Abbau des Arbeitnehmerschutzes, Ausbau prekärer Beschäftigung, ... u.v.m.


Das Thema Griechenland/Euro oder Flüchtlinge der AfD ist ein Stellvertreter-/Sündenbock-Thema. Vor der sog. Euro- bzw. Flüchtlingskrise ging es uns nicht besser. Weder gab es mehr Sicherheit, noch standen die Menschen besser da. Kinder- und Altersarmut stieg stetig, es herrschte auch schon Knappheit an Kitas, an bezahlbaren Wohnungen, Schulen waren bereits marode, die Polizei kaputtgespart, die Renten im Eimer, etc.
Das was mit dem Eintreffen einer höheren Zahl Flüchtlinge passierte war nichts anderes, als dass die bereits vorherrschenden Probleme aufgegriffen und den Flüchtenden zugeschoben wurden, womit die seit einiger Zeit bestehenden Missstände umso sichtbarer wurden.

Und in einer tatsächlich funktionierenden Demokratie wäre die AfD obsolet: Eine Gesellschaft in der Planungssicherheit und soziale wie auch wirtschaftliche Gerechtigkeit vorherrscht ist weitestgehend immun gegen Sündenbock-Strategien aus der Politik.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Wladimir30 » Mittwoch 27. September 2017, 14:22

saransk hat geschrieben:da sind mir politische Diskussionen in Russland doch bedeutend lieber. Hier wird, zumindest mein bisheriger Eindruck, die andere Meinung durchaus akzeptiert. Außerdem kann man sich danach noch in die Augen sehen, weil man nicht zum persönlichen Feindbild des gegenüber mutiert ist.
Richtig. In Russland herrscht eine vollkommen andere Diskussionskultur, die wirklich als Diskussion bezeichnet werden kann. Es fehlt zumeist das Abgleiten ins Persönliche, wie Du es ja selber sehr anschaulich beschrieben hast. Mir fällt auf, dass der Spruch, der in DEU oft kommt: "Ach ja, und was ich dir ja schon immer mal sagen wollte....", wobei die Diskussion ihren ursprünglichen Diskussionsgegenstand dann endgültig verliert, fast immer fehlt.
(Na gut, bei Schirinowski war ich mir da nicht so sicher, aber das fällt vielleicht schon unter Altersdemenz)
Man darf sich nicht von seiner Art blenden lassen. Ein hochintelligenter Mann, der genau weiß, was er wem wann sagen darf, soll, muss. Er hat seine Nische gefunden und besetzt sie konsequent. Ich schau mir gerne Diskussionen mit ihm an. Mit ihm zu diskutieren ist sehr schwer, weil er sehr schnell die Schwachstellen in der Argumentation des anderen findet und gnadenlos zerlegt. Aber er diskutiert eben. Er bügelt nicht platt, weil er dabei immer noch zuhört.
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