Referendum Donezk

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von Jenenser » Dienstag 15. April 2014, 13:48

kamensky hat geschrieben:Ist es denn nicht so, dass Putin einmal Rückgrat zeigen sollte mit einer direkten und öffentlichen Kommunikation, dass es weder einen Anschluss an RU geben wird noch eine Einbindung von den betroffenen Gebieten. Damit könnte er m. E. schon viel Positives, wenn natürlich für die prorussischen Anhänger Entäuschendes beitragen. Einfach mal klare Verhältnisse schaffen. Alternativ wäre ein Angebot an all diejenigen, die zu RU wollen nach RU umzusiedeln mit allen Pros und Kontras, denn Alles hat seinen Preis.
Ich bin gespannt, wie sich Putin auch zur Ukraine am Donnerstag äußert.
http://ria.ru/politics/20140410/1003307369.html
klaupe hat geschrieben:
Kurze Antwort.
Der Manipulation in den “Medien aller Seiten” kann man sich heute durch Vergleichen leicht entziehen. In Bezug auf die Ukraine und Russland setzt das jedoch ein paar Sprachkenntnisse voraus. Und man muss es auch wollen.

Was die familiären und freundschaftlichen Beziehungen betrifft, da hat wohl jeder seine eigenen Erfahrungen. Das lässt sich also nicht verallgemeinern.

Ukrainische Währung: Soweit ich mich erinnere, habe ich im vergangenen Jahr in Kiew für einen Euro rund 10 Griwnya bekommen. Heute soll der Kurs wohl bei 1:16 liegen. Die einfachen Ukrainer... haben weder BWL noch Jura studiert. Sie können mit Deinen beschriebenen Begriffen nicht viel anfangen. Sie merken aber, dass die Preise für Lebensmittel, für Medikamente, für Benzin deutlich gestiegen sind.

Das Sprachenproblem in der Ukraine war nach meiner Erfahrung nie ein menschliches Problem. Es gibt sogar einen Sprachenmix, schon mal gehört?
http://de.wikipedia.org/wiki/Surschyk
Da komme ich manchmal nicht mehr mit....



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Re: Referendum Donezk

Beitrag von m1009 » Dienstag 15. April 2014, 16:24

Wer glaubt das denn noch ehrlich?!
Mag sein, auch wenn ich mich nicht an solch klare Worte von ihm erinnere... vor dem Referendum....

Anderseits vergesse nicht, zu der Wiederveinigung mit der Krim steht das Russische Volk. Zu dem jetzt anstehendem Referendum sind viele Russen eher reserviert ... Ich hatte dazu heute eine interessante Diskussion... eine Aussage meines Gegenueber war, "welche Russische Mutter will ihren Sohn in einen Krieg in der Ukraine schicken? keine einzige.... "

Wir sind in den Kalten Krieg zurueckgekehrt ... Verlierer werden wie immer die Deutschen sein, mit dieser abartigen Anbiederung der Volksvertreter an die USA....
Denken ist wie googeln, nur krasser!

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. April 2014, 18:39

Jenenser hat geschrieben:Der Manipulation in den “Medien aller Seiten” kann man sich heute durch Vergleichen leicht entziehen. In Bezug auf die Ukraine und Russland setzt das jedoch ein paar Sprachkenntnisse voraus. Und man muss es auch wollen.
das ist bei mir regelmäßige Übung. Mit Translator funktioniert es bei Texten ziemlich gut, wenn auch manchmal die Übersetzungen kein bühnenreifes Deutsch ergeben oder sogar missverständlich sind. Im Zweifel frage ich meinen Frau, die Russisch, Lettisch perfekt kann und in Ukrainisch, Polnisch und Deutsch kaum Probleme hat.
Was die familiären und freundschaftlichen Beziehungen betrifft, da hat wohl jeder seine eigenen Erfahrungen. Das lässt sich also nicht verallgemeinern.
Sicherlich nicht, aber es gibt schon Trends und natürlich die üblichen Ausnahmen. Es gibt ja sogar Ukrainer/Russen, die herzliche oder familiäre Beziehungen in den Westen oder nach Übersee haben.
Die einfachen Ukrainer... haben weder BWL noch Jura studiert. Sie können mit Deinen beschriebenen Begriffen nicht viel anfangen. Sie merken aber, dass die Preise für Lebensmittel, für Medikamente, für Benzin deutlich gestiegen sind.
Gerade im Südosten gibt es auch einen lebhaften Tagestourismus über die Grenze (in beiden Richtungen), der sich von Horrormeldungen in unseren Medien kaum abschrecken lässt. Da können selbst einfache Menschen im nächsten Supermarkt ihr "Praktikum" machen.
Das Sprachenproblem in der Ukraine war nach meiner Erfahrung nie ein menschliches Problem. Es gibt sogar einen Sprachenmix, schon mal gehört?
Mit Sicherheit, aber da ich in beiden Sprachen kaum einen Grundwortschatz beherrsche, merke ich natürlich die Feinheiten nicht. Aber gerade solche Mixturen sind ja lebhaftes Beispiel, dass man miteinander kommuniziert.
Wenn aber eine starke Sprachgruppe "von oben herab" diskriminiert wird, dann muss es einfach Ärger geben. nachdem der Euromaidan sich deutlich ukrainisch positioniert hat und zusammen mit Janukowitsch & Co. gleich mal alle Ostukrainer verteufelt hat, brachte der Sprachenzirkus das Fass zum überlaufen.

Ich erinnere mich an einen deutschen Spielfilm, den ich im TV in Donetzk mal sah. Ich glaube es was "Das Boot". Er war englisch/amerikanisch synchronisiert, hatte russische, weiße Untertitel, die mit roten ukrainischen Untertiteln überschrieben waren. Auch sah ich Interviews mit Russen aus der Region, die ukrainisch synchronisiert wurden. Da hört bei mir der Spaß auf, denn das ist dann nur noch albern!
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von GIN » Dienstag 15. April 2014, 18:46

klaupe hat geschrieben:
_RGP_ hat geschrieben:Bild
Ist zwar schön bunt, aber ohne Zahlen etwas undurchsichtig. Da werden her Aktionen und deren Echo in den Medien verarbeitet, aber die Meinung der breiten Masse ist nicht ersichtlich.
Sibirier hat geschrieben:Irgendwie gefaellt mir das alles nicht. Haben wir in Zukunft 2 Ukraine? Ost und West?
Offensichtlich gibt es solche Bestrebungen, von denen ich aber den Eindruck habe, dass sie eher von außen gesteuert werden.

Ich kenne Donetzk einigermaßen und hatte/habe etliche Kontakte dort. Immer hatte ich den Eindruck, dass ich in der Ukraine bin, wo zwar vorwiegend Russisch gesprochen wird, aber Ukrainisch gefühlt und gedacht wird. Diese aktuelle Spaltung ist hausgemacht und zwar eher von Kiew ausgehend, als in der Region geboren.

Vielleicht findet man mal paar Teilnehmer/Fans, die bei der EM waren oder sieht sich paar alte Reportagen an. So lange ist das ja noch nicht her.
Damals wäre es die richtige Gelegenheit, den russischen Bären rauszulassen und zu zeigen, wohin man sich orientieren will. Aber offensichtlich hat man die Gelegenheit total verpasst und verschlafen --- oder man ist doch nicht der Meinung, wie einige Radaubrüder momentan.
Übrigens meine Ukrainer aus der Gegend möchten nicht an Russland angeschlossen sein doch fühlen sich "geputscht". Ihre 11 Millionen Stimmen futsch, ihr Wunsch nach Unabhängigkeit innerhalb der Ukraine beim grossen Teil verbreitet. Angst vor Krieg, Putin, Kiew und der steigenden Kriminalität

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. April 2014, 18:46

m1009 hat geschrieben:Wir sind in den Kalten Krieg zurueckgekehrt ... Verlierer werden wie immer die Deutschen sein, mit dieser abartigen Anbiederung der Volksvertreter an die USA....
Der kalte Krieg hat eine andere Qualität bekommen mit anderen Themen und Waffen.
Den letzten Kalten Krieg habe ich als Deutscher gut überstanden und im Prinzip gewonnen.
Im Ergebnis existiert die USA immer noch, Deutschland ist gewachsen, die CCCP gibt es nicht mehr und der "Warschauer Pakt" ist zur NATO übergelaufen. Ich finde das Ergebnis fantastisch!
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.



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Re: Referendum Donezk

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. April 2014, 18:54

GIN hat geschrieben:Übrigens meine Ukrainer aus der Gegend möchten nicht an Russland angeschlossen sein doch fühlen sich "geputscht". Ihre 11 Millionen Stimmen futsch, ihr Wunsch nach Unabhängigkeit innerhalb der Ukraine beim grossen Teil verbreitet. Angst vor Krieg, Putin, Kiew und der steigenden Kriminalität
Das trifft die Situation viel deutlicher. Nachdem die Ostukrainer in letzter Zeit gründlich verarscht wurden, sollte Kiew endlich aufwachen und die Konsequenzen ziehen. Das ernsthafte Angebot und konstruktive Verhandlungen über eine gleichberechtigte Konföderation , etwa nach schweizer oder belgischem Modell oder nach dem schottischen Muster könnte in eine kooperative Zukunft weisen. Zwar bereinigt es nicht alle Differenzen auf einen Schlag. aber man kommt vielleicht bald zu einem Stand, der zivilisierten und kultivierten Menschen würdig ist.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von GIN » Dienstag 15. April 2014, 19:04

klaupe hat geschrieben:
m1009 hat geschrieben:Wir sind in den Kalten Krieg zurueckgekehrt ... Verlierer werden wie immer die Deutschen sein, mit dieser abartigen Anbiederung der Volksvertreter an die USA....
Der kalte Krieg hat eine andere Qualität bekommen mit anderen Themen und Waffen.
Den letzten Kalten Krieg habe ich als Deutscher gut überstanden und im Prinzip gewonnen.
Im Ergebnis existiert die USA immer noch, Deutschland ist gewachsen, die CCCP gibt es nicht mehr und der "Warschauer Pakt" ist zur NATO übergelaufen. Ich finde das Ergebnis fantastisch!
Das hat sicherlich auch mit deinem Alter zu tun. Konntest den Speck zur richtigen Zeit geniessen und förderst durch deine Parteienwahl die Armut meiner Generation. Danke.
Wir finden das Ergebnis im Westen und Osten oft beschiessen. Halb Europa bewegt sich als Rotationseuropäer auf der Suche nach Kohle. Ich erinnere mich nicht das wir in den 80er Jahren solche Probleme hatten wie zur heutigen Zeit. Über die französische und schweizer Grenze bin ich auch 1988 ohne Problem gehüpft ohne Schengen- Jetzt brauchen wir tausende Diplome und Fachwissen um nur annähernd den Wohlstand zu erreichen den ein Westberliner "Facharbeiter" bei Schering hatte im Jahre 1988.
Deshalb fordere ich auch die Generation +50 auf nicht unsere Grundlagen zu zerstören mit dieser Grossmachtssucht via EU-Beitrittsperspektive. Ihr braucht aber auch nicht das autokratische System in Russland zu unterstützen das genau so wie die EU die Grundlagen meiner Generation und die Generation unserer Kinder frisst.

Danke..

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. April 2014, 19:17

GIN hat geschrieben:Das hat sicherlich auch mit deinem Alter zu tun. Konntest den Speck zur richtigen Zeit geniessen und förderst durch deine Parteienwahl die Armut meiner Generation. Danke.
Danke..
Ja, ich habe zur richtigen Zeit hart gearbeitet, damals zu Bedingungen, die heutzutage nicht mal ein Hartz IV-Empfänger akzeptieren würde.
Wer jetzt jammert, sollte erst mal kritisch in den Spiegel sehen, statt nach oben in der Hoffnung, dass es Goldstücke vom Himmel regnet.

Bedauern tue ich nur die Alten, die ihr Leben lang fleißig gearbeitet haben und nun aussortiert werden und trotz hoher Qualifikation keine Chance mehr haben.

Neulich gab es eine Umfrage in ein paar Discos nach Einkommen, Beruf, Freizeit usw.
67 % waren Arbeitslose, teilweise ohne Ausbildung oder sogar ohne Schulabschluss. Seit den glaube ich auch an die Armut dieser Generation, allerdings geistige und charakterliche Verarmung.
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Re: Referendum Donezk

Beitrag von CSB_Wolf » Dienstag 15. April 2014, 20:36

klaupe hat geschrieben:Ja, ich habe zur richtigen Zeit hart gearbeitet, damals zu Bedingungen, die heutzutage nicht mal ein Hartz IV-Empfänger akzeptieren würde.
Wer jetzt jammert, sollte erst mal kritisch in den Spiegel sehen, statt nach oben in der Hoffnung, dass es Goldstücke vom Himmel regnet.

Bedauern tue ich nur die Alten, die ihr Leben lang fleißig gearbeitet haben und nun aussortiert werden und trotz hoher Qualifikation keine Chance mehr haben.

Neulich gab es eine Umfrage in ein paar Discos nach Einkommen, Beruf, Freizeit usw.
67 % waren Arbeitslose, teilweise ohne Ausbildung oder sogar ohne Schulabschluss. Seit den glaube ich auch an die Armut dieser Generation, allerdings geistige und charakterliche Verarmung.
Dem stimm ich dir vollkommen zu, ist bei mir ähnlich gelaufen 8) Und zum letzten Abschnitt, da sieht man das Sarazin doch Recht hat mit der Verblödung im Volk :D

Gruss
wolf

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Re: Referendum Donezk

Beitrag von Xottabych » Sonntag 4. Mai 2014, 14:02

Wenn man dem Politologen Anton Schechovzov glauben möchte, der sich schwerpunktmäßig mit rechtsradikalen Strömungen überall in Europa beschäftigt, so sind rechtsradikale/faschistische Agitatoren keineswegs nur auf der ukrainischen Seite zu finden. Nehmen wir hier einmal folgende Foto-"Beweise", die er in seinem Blog zeigt und erläutert (ich setzt "Bewesie" in Anführungszeichen, weil mir durchaus bewusst ist, dass solche Belege nur begrenzt als Beweis im eigentlichen Sinne herhalten können). Trotzdem sind sie zumindest ein ziemlich guter Indikator dafür, dass auch die pro-russischen Kräfte in Donezk mit Faschisten und Ultranationalisten durchsetzt sind. Aber ich finde die Schilderungen absolut plausibel, den wen sollte das letztlich auch überraschen? Schließlich sind die aktuellen Ereignisse in der Ostukraine voll im Sinne dieser Leute (Quelle).

Bild
Donezk im Februar 2014

Bild
April 2014. Zu sehen sind Fahnen der eurasischen Bewegung.



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